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Lehrerfortbildung 2017

Das Deutsche Primatenzentrum bietet einmal jährlich eine Fortbildung für Biologielehrer an. In diesem Jahr laden Sie die Mitarbeiter des Institutes zum Thema „Neurowissenschaften“ nach Göttingen ein.

Für alle Interessierten stehen zwei mögliche Termine zur Auswahl: Mittwoch, der 22. oder alternativ Donnerstag, der 23. November 2017 jeweils 10:00 bis 17:15 Uhr.

Die Teilnahmegebühr beträgt 20 Euro pro Person. Mittagsimbiss und Kaffeepausen sind inklusive.

Die Veranstaltung ist als bundesweite Fortbildung vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) registriert und ist deshalb auch für Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt als Fortbildungsveranstaltung außerhalb der Ferien anerkannt. Die Registriernummer lautet: WT 2017-400-73.

Das Programm

Im Rahmen der Veranstaltung werden Ihnen unsere Wissenschaftler die Arbeitsweise sowie die Lern- und Leistungsfähigkeit unseres Gehirns vorstellen. Dabei zeigen sie Ihnen, wie Reize und Regeln zielgerichtetes Handeln bestimmen und wie moderne Bildgebungsverfahren, wie CT und MRT, Einblicke in die inneren Strukturen und Prozesse des Gehirns ermöglichen. Darüber hinaus erfahren Sie, wie neueste Erkenntnisse zur Bewegungssteuerung in die Entwicklung von Neuroprothesen einfließen und lernen Methoden und ethische Richtlinien der neurowissenschaftlichen Forschung mit Primaten kennen. Während einer Führung sehen Sie, wie Makaken, Lemuren und Paviane am DPZ gehalten werden.

Der vorläufige Zeitplan der Veranstaltung:

10:00 Uhr Begrüßung und Einführung, Vorstellung des Institutes und des Tagesprogramms (Dr. Sylvia Siersleben, DPZ, Stabsstelle Kommunikation)

10:30 Uhr Vom Sehen zum Handeln: Wie wir flexibel auf Reize reagieren (Prof. Dr. Alexander Gail, Abteilung Kognitive Neurowissenschaften)

11:30 Uhr Kaffeepause

11:45 Uhr Neuroprothesen zum Greifen: vom Primatenmodell zur klinischen Anwendung (Prof. Dr. Hansjörd Scherberger, Abteilung Neurobiologie)

12:45 Uhr Mittagspause

13:15 Uhr Führung durch die Primatenhaltung (Uwe Schönmann, Primatenhaltung, DPZ)

14:15 Uhr Neurowissenschaft anschaulich vermitteln - Praktische Anwendungen für die Schule (Philipp Ulbrich, Abteilung Kognitive Neurowissenschaften, DPZ)

15:00 Uhr CT, MRT und Co – Grundlagen und Perspektiven moderner Bildgebung (Prof. Dr. Susann Boretius, Abteilung Funktionelle Bildgebung, DPZ)

16:00 Uhr Bioethik von Tierversuchen am Beispiel neurowissenschaftlicher Forschung mit Primaten (Prof. Dr. Stefan Treue, Abteilung Kognitive Neurowissenschaften)

17:00 Uhr Abschluss und Feedback (Dr. Sylvia Siersleben, DPZ, Stabsstelle Kommunikation)

Die Referenten

Das Foto zeigt Prof Dr. Stefan Treue. Foto: Ingo Bulla
Prof. Dr. Stefan Treue. Foto: Ingo Bulla

Prof. Dr. Stefan Treue ist Leiter der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften und Direktor des Deutschen Primatenzentrums. Darüber hinaus ist er Universitätsprofessor für Kognitive Neurowissenschaften und Biopsychologie an der Fakultät für Biologie und Psychologie sowie des Georg-Elias-Müller-Institutes für Psychologie der Georg-August-Universität Göttingen.

Hauptschwerpunkt seiner Forschung ist die visuelle Wahrnehmung und die Untersuchung neuronaler Prozesse, die mit dem Sehen verknüpft sind. Eine besondere Rolle spielt dabei die Aufmerksamkeit, die zur Filterung visueller Reize beiträgt und bewirkt, dass sich die Verarbeitungsprozesse des Gehirns auf relevante Informationen konzentrieren. Zu seinen methodischen Mitteln zählt insbesondere die Elektrophysiologie, mithilfe derer die visuelle Wahrnehmung und die entsprechende neuronale Verarbeitung untersucht wird.

Stefan Treue absolvierte ein Biologiestudium in Frankfurt am Main, Heidelberg und an der Duke University in Durham. 1992 promovierte er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und arbeitete dort anschließend als Post-Doktorand bis 1993. In den Jahren 1993-1995 arbeitete er, ebenfalls als Post-Doktorand, am Baylor College of Medicine in Houston, Texas. 1995 begann er seine Arbeit an der Universität Tübingen, wo er bis 2001 die Arbeitsgruppe Kognitive Neurowissenschaften leitete, von 2000-2001 auch als Professor für Tierphysiologie. 2001 wurde Treue an die Georg-August-Universität Göttingen berufen, wo er bis heute lehrt und als Direktor des Deutschen Primatenzentrums forscht.

Im Jahr 2009 wurde Stefan Treue für seine Arbeiten auf dem Gebiet der neurobiologischen Aufmerksamkeitsforschung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet, der als bedeutendster deutscher Forschungspreis auf bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert ist. Stefan Treue ist ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Das Foto zeigt Prof. Dr. Alexander Gail. Foto: DPZ
Prof. Dr. Alexander Gail. Foto: DPZ

Prof. Dr. Alexander Gail leitet die Forschungsgruppe Sensomotorik der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften des Deutschen Primatenzentrums und des Bernstein Center for Computational Neuroscience in Göttingen und hat gleichzeitig eine Brückenprofessur für Sensomotorische Neurowissenschaften und Neuroprothetik an der Georg-August-Universität inne.

Am DPZ erforscht Alexander Gail wie das Gehirn Bewegungen plant und wie diese Information zur Steuerung von Neuroprothesen genutzt werden kann. Dabei wird zum Beispiel untersucht wie die visuelle Information, die unser Gehirn von der Netzhaut des Auges bezieht, mit der gegenwärtigen Handposition so verrechnet werden, dass daraus ein entsprechender Bewegungsbefehl erzeugt wird, z.B. wenn wir nach einem Gegenstand greifen möchten (visuomotorische Transformation). Darüber hinaus analysieren die Wissenschaftler um Alexander Gail wie die Auswahl bestimmter Handlungen im Gehirn erfolgt und wie diese durch die zu erwartenden Konsequenzen beeinflusst wird.

Alexander Gail absolvierte ein Physikstudium an der Philipps-Universität Marburg, das er 1997 mit einem Diplom abschloss. Anschließend promovierte er ebenfalls in Marburg und schloss seine Dissertation 2002 ab. Von 2002 bis 2003 arbeitete er als Post-Doktorand in der Forschungsgruppe Neurophysik der Universität Marburg und ging anschließend nach Pasadena, (CA, USA), wo er von 2003 bis 2006 ebenfalls als Post-Doktorand arbeitete. Seit 2006 ist Alexander Gail Leiter der Forschungsgruppe Sensomotorik am Deutschen Primatenzentrum und am Bernstein Center for Computational Neuroscience. Seine Professur an der Universität Göttingen hat er seit 2012 inne.

Prof. Dr. Hansjörg Scherberger. Foto: Karin Tilch
Prof. Dr. Hansjörg Scherberger. Foto: Karin Tilch

Prof. Dr. Hansjörg Scherberger ist Leiter der Abteilung Neurobiologie des Deutschen Primatenzentrums und hat ebenfalls einen Lehrauftrag an der Biologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen.

Am DPZ untersucht Hansjörg Scherberger die neurophysiologischen Grundlagen von Handfunktionen bei Primaten, um deren neuronale Repräsentationen im Gehirn zu verstehen. Dazu werden Dekodierungsmethoden generiert, um künstliche Hände mit Hilfe von Hirnfunktionen zu kontrollieren. Diese gewonnenen Erkenntnisse sollen bei der Entwicklung von Neuroprothesen eingesetzt werden.

Hansjörg Scherberger studierte Medizin und Mathematik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er 1996 auch promovierte (Dr. med.). Anschließend arbeitete er als Post-Doktorand in der Abteilung für Neurologie der Universität Zürich. Von 1998 bis 2004 forschte er am California Institute of Technology und ging dann anschließend zurück in die Schweiz an das Institut für Neuroinformatik der Eidgenössischen Technischen Universität Zürich. Seit 2008 lehrt und forscht er in Göttingen.

Prof. Dr. Susann Boretius. Foto: FotoStube Hornig
Prof. Dr. Susann Boretius. Foto: FotoStube Hornig

Prof. Dr. Susann Boretius leitet die Abteilung Funktionelle Bildgebung am Deutschen Primatenzentrum und ist gleichzeitig Professorin für Funktionelle Bildgebung an der Fakultät für Biologie und Psychologie des Johann-Friedrich-Blumenbach-Institutes für Zoologie und Anthropologie der Georg-August-Universität Göttingen.

Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht zum einen die Weiterentwicklung und Verfeinerung der Methoden der MRT und MRS. Zum anderen arbeitet sie an der Erforschung von Krankheiten im Tiermodell und zur Verbesserung der Diagnostik von Erkrankungen bei Tieren und Menschen. Die verwendeten Methoden der MRT und MRS sind grundsätzlich nicht invasiv und nicht destruktiv und erlauben damit in besonderer Weise lebende Organismen auch mehrfach im Laufe des Lebens oder im Verlauf von Erkrankungen zu untersuchen. Susann Boretius und ihr Team können dabei vergleichbare Methoden bei kleinen Versuchstieren, bei unterschiedlichen Primaten und beim Menschen anwenden. Dies kann sehr wichtig sein, einerseits wenn es um die Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen geht, andererseits aber auch, wenn es um grundlegende Fragen der Evolution höherer Organismen geht.

Susann Boretius studierte von 1988 bis 1994 Veterinärmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete anschließend als Tierärztin in der Tierklinik Seeburg in Brandenburg. Im Jahr 1997 begann sie ein Physik-Studium an der Humboldt-Universität, das sie ab 2000 an der Universität Göttingen fortführte und 2003 abschloss. Im Jahr 2000 promovierte sie zudem in Tiermedizin an der Universität Leipzig. Von 2003 bis 2011 war Susann Boretius als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen tätig. Anschließend nahm sie dem Ruf auf den Lehrstuhl für biomedizinische Bildgebung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an. Seit 2015 lehrt und forscht sie in Göttingen.

Philipp Ulbrich. Foto: Karin Tilch
Philipp Ulbrich. Foto: Karin Tilch

Philipp Ulbrich ist Promotionsstudent in der Forschungsgruppe Sensomotorik der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften am Deutschen Primatenzentrum.

In seiner Doktorarbeit untersucht er mit Hilfe von Verhaltensexperimenten am Menschen, wie schnell wir in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, und zwar abhängig davon, wie viel uns die jeweiligen Handlungskonsequenzen wert sind. So sollen Rückschlüsse darüber ermöglicht werden, wie schnell unterschiedliche Entscheidungsfaktoren wie finanzieller Gewinn bzw. Verlust oder physische Anstrengung im Gehirn verarbeitet werden und unsere Entscheidungen beeinflussen können.

Philipp Ulbrich machte sein Abitur im Jahr 2008 in Mosbach. Nach dem Zivildienst studierte er ab 2009 Psychologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Sein Studium schloss er 2015 mit dem Master of Science ab. Seit September 2015 arbeitet er am DPZ an seiner Dissertation.

Das Foto zeigt Uwe Schönmann. Foto: Karin Tilch
Koloniemanager Uwe Schönmann. Foto: Karin Tilch

Diplom-Biologe Uwe Schönmann ist Koloniemanager der Tierhaltung des Deutschen Primatenzentrums. Er ist Fachmann für Primatenhaltung und -zucht und gibt sein Fachwissen gern bei Gruppenführungen im Haus weiter. In der Primatenhaltung des DPZ leben derzeit etwa 1400 Tiere, die neun verschiedenen Arten angehören. Sie werden sowohl für die Forschung am DPZ eingesetzt als auch an andere wissenschaftliche Einrichtungen abgegeben. Der größere Teil der Primaten wird in den Zuchtkolonien am DPZ gehalten. Die Primatenhaltung mit den Tierkolonien ist die zentrale Infrastruktureinrichtung des DPZ. Zu den generellen Aufgaben gehören die Zucht, Haltung und Pflege von Primaten sowie die tierärztliche Versorgung der Tiere.

Kontakt

Dr. Sylvia Siersleben Stabsstelle Kommunikation +49 551 3851 163 +49 551 3851 103 Kontakt

Programm und Anmeldung

Programm der Lehrerfortbildung. Bild: Siersleben
Programm der Lehrerfortbildung. Bild: Siersleben
Informationen zur Anmeldung. Bild: Siersleben
Informationen zur Anmeldung. Bild: Siersleben