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Alevoläre Echinokokkose bei nicht-menschlichen Primaten

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus (E.) multilocularis) ist der in Mitteleuropa weitverbreitete Erreger der alveolären Echinokokkose, einer gefährlichen Zoonose. Der Hauptendwirt des 2–4 mm langer Bandwurms ist der Fuchs. Zwischen- und Fehlwirte infizieren sich i. d. R. durch die orale Aufnahme der Eier, die vom Fuchs mit dem Kot ausgeschieden werden. In den Zwischen- und Fehlwirten befallen die Larven nach dem Schlüpfen aus den Eiern fast stets die Leber, in der es zu einem infiltrativen Wachstum der Larven kommt. Ausgehend von einem Keimepithel bilden sich Sprossen, die das Lebergewebe durchsetzen und massive Umbauvorgänge induzieren. Hepatomegalie, Cholestase, Gelbsucht, Zirrhose, portale Hypertension und Budd-Chiari Syndrom sind die Folge des tumorartigen Entzündungsprozesses. Zu den Fehlzwischenwirten gehören Mensch und nichtmenschliche Primaten.

Der klinische Verlauf einer alveolären Echinokokkose bei Primaten kann sehr variabel sein. Nach peroraler Aufnahme von Eiern des kleinen Fuchsbandwurms kommt es beim Menschen zu einer meist über viele Jahre unbemerkten Infektion der Leber. Der Krankheitsverlauf bei nicht humanen Primaten ist wesentlich kürzer. Schon innerhalb einer kurzen Zeitspanne nach Infektion wuchert die Larve im Lebergewebe und bildet einen alveolären Tumor

Im Tierbestand des Deutschen Primatenzentrums werden seit Jahren regelmäßig klinische Fälle einer Echinokokkose festgestellt. In den vergangenen Jahren verstarben 35 Tiere an dem charakteristischen Krankheitsbild. Neben Bartaffen und Rhesusaffen sind besonders häufig Javaneraffen betroffen. Prophylaktische Maßnahmen, wie intensive, von den Behörden genehmigte Fuchsbejagung durch Lebendfallen haben den Fuchsbestand nicht entscheidend mindern können, da die Tiere aus der bewaldeten Umgebung des DPZ nachrücken. Deshalb wird zurzeit die Entwurmung der Füchse durch entsprechende Beköderung praktiziert. Eine sehr effiziente prophylaktische Maßnahme ist die Impfung der Zwischenwirte und Fehlzwischenwirte. Eine Schutzimpfung der Primaten befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase.
 

Relevante Literatur:   

Immunization of rhesus macaques with Echinococcus multilocularis recombinant 14-3-3 antigen leads to specific antibody response

Echinococcus multilocularis infection of several Old World species in a breeding enclosure

 

Leber eines an alveolärer Echinokokkose erkrankten Rhesusaffen durchsetzt von Metazestodengewebe (Quelle: DPZ).
Das histologische Präparat zeigt die von der Keimschicht in das Zystenlumen einwachsenden Kopfanlagen (Protoscolices) der Bandwurmlarve, H&E Färbung (Quelle: DPZ).
Der Protoscolex trägt Saugnäpfe und einen Zahnkranz (Rostellum), H&E Färbung (Quelle: DPZ).