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Grauer Mausmaki

Graue Mausmakis (Microcebus murinus) sind Lemuren, die vornehmlich an der Westküste Madagaskars leben. Mit einer Körpergröße von maximal 14 Zentimetern und einem Gewicht von nur 60 Gramm gehören sie zu den kleinsten Primatenarten.

Graue Maumakis sind nachtaktive Baumbewohner und ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Foto: Manfred Eberle
Graue Maumakis sind nachtaktive Baumbewohner und ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Foto: Manfred Eberle

Aussehen

Neben ihrer zierlichen Statur fallen Graue Mausmakis vor allem durch ihre großen Augen und Ohren auf. Ihre Gliedmaßen sind sehr kurz. Das Fell ist auf der Rückenpartie und am Schwanz grau-braun gemischt mit verschiedenen Rottönen. Die Flanken und die Bauchseite sind beige bis weiß gefärbt.

Ernährung

Graue Mausmakis bevorzugen Insekten wie Käfer und Motten sowie Spinnen auf ihrem Speiseplan. Gelegentlich jagen sie aber auch Frösche, Geckos und Chamäleons oder fressen Früchte, Blüten, Blätter und Pflanzenexsudate. Eine interessante Nahrungsquelle für Graue Mausmakis sind die Ausscheidungen der in Madagaskar verbreiteten Wanze Flatida coccinea, auf die sie besonders in der kargen Trockenzeit zurückgreifen. Die Larven dieser Insektenart versammeln sich in großer Zahl an Baumstämmen und Ästen und scheiden zuckerhaltige Substanzen aus, die den Mausmakis als Energiereserve dienen.

Lebensraum und Lebensweise

Ein Grauer Mausmaki schaut aus seiner Baumhöhle im Kirindy-Wald auf Madagaskar. Foto: Elise Huchard
Ein Grauer Mausmaki schaut aus seiner Baumhöhle im Kirindy-Wald auf Madagaskar. Foto: Elise Huchard

Graue Mausmakis bewohnen eine Vielzahl von Waldtypen. Bevorzugt sind sie in tropischen Trockenwäldern und dornigem Buschland sowie in gemischten Laub- und Küstenwäldern zuhause. Sie sind ausschließlich Baumbewohner und nachtaktive Tiere. Tagsüber schlafen sie in Baumhöhlen oder Blätternestern und gehen des Nachts auf Nahrungssuche. Die Weibchen schlafen dabei in Gruppen aus zwei bis neun verwandten Tieren, während die Männchen eher Einzelgänger bleiben. Die Aktivitätszeiten Grauer Mausmakis können zwischen den Geschlechtern unterschiedlich sein: In der Trockenzeit ruhen die Weibchen nicht nur tagsüber, sondern verbleiben durchgängig über einen längeren Zeitraum in einem Schlafzustand, bei dem alle Stoffwechsel- und Energieumsatzfunktionen auf ein Minimum gesenkt werden (Torpor). So überdauern die Weibchen häufig die Monate der Trockenzeit, in der wenig Nahrung verfügbar ist, während die Männchen aktiv bleiben.

Eine Graue Mausmaki-Mutter mit vier Wochen alten Jungen auf Madagaskar. Foto: Manfred Eberle
Eine Graue Mausmaki-Mutter mit vier Wochen alten Jungen auf Madagaskar. Foto: Manfred Eberle

Sozialverhalten und Fortpflanzung

Graue Mausmakis sind Einzelgänger. In der inaktiven Phase schlafen Männchen und Weibchen getrennt. Während die Weibchen mit anderen verwandten Weibchen und deren Nachwuchs Schlafgruppen bilden, bleiben die Männchen meist allein oder maximal zu zweit in ihren Baumhöhlen. Nachts sind beide Geschlechter allein unterwegs auf Futtersuche. Die Streifgebiete der Männchen sind zweimal so groß wie die der Weibchen und werden in der Fortpflanzungszeit nochmals erweitert. Beide Geschlechter zeigen Territorialverhalten und markieren ihr Revier mit Urin und Kot. Die Paarungszeit der Grauen Mausmakis dauert etwa vier Wochen und findet in der Trockenzeit zwischen Oktober bis November statt. In dieser Zeit sind die Weibchen nur in einem sehr kurzen Zeitfenster für wenige Stunden empfängnisbereit. In der Paarungszeit schwellen die Hoden der Männchen auf das Achtfache des normalen Umfangs an. Ein Weibchen paart sich meistens mit mehreren Männchen. Nach einer Tragzeit von rund 60 Tagen bringen die Weibchen ein, seltener zwei bis drei, noch wenig entwickelte, nackte Junge zur Welt, die nur vier bis sieben Gramm wiegen und deren Augen sich erst nach zwei bis vier Tagen öffnen. Die ersten drei Wochen verbleiben die Jungen im Nest und werden auch von anderen verwandten Weibchen versorgt. Nach etwa einem Monat beginnt das Junge bereits feste Nahrung zu sich zu nehmen, wird aber weiterhin von der Mutter bis zu seiner sechsten Lebenswoche gesäugt. Während ihrer nächtlichen Streifzüge trägt das Muttertier das Junge in ihrem Maul oder „parkt“ es zwischendurch irgendwo im Gestrüpp. Mit sechs Wochen werden die Jungen entwöhnt. Sie unterscheiden sich von den erwachsenen Tieren durch eine unbehaarte Bauchseite und einen grauen Streifen auf ihrem Rücken.

 

Quelle: Handbook of the Mammals of the World: Primates (edited by Mittermeier, R.A., Ryland, A.B., Wilson D.E., published by Lynx Edicions, Conservation International, IUCN, 2013)

Verbreitung

Verbreitungsgebiet der Grauen Mausmakis auf Madagaskar. Abbildung: Sylvia Siersleben
Verbreitungsgebiet der Grauen Mausmakis auf Madagaskar. Abbildung: Sylvia Siersleben

Steckbrief Grauer Mausmaki

Wissenschaftlicher NameMicrocebus murinus
Taxonomie

Teilordnung:
Lemuren

Familie:
Katzenmakis

Gattung:
Mausmakis

Art:
Grauer Mausmaki

VerbreitungWest- und Südost-
Madagaskar
Kopf-Rumpf-Länge12 - 14 cm
Schwanzlänge13 - 14,5 cm
Gewicht60 g
ErnährungKäfer, Motten, Gottesanbeterinnen, Zikaden, Spinnen, Früchte, Blüten, Gummi, Nektar, Exsudate, Baumfrösche, Geckos, Chamäleons, Blätter
Lebensstilnachtaktiv, baumlebend
Soziale Organisationeinzelgängerisch
Paarungssystempromiskuitiv
Lebenserwartungim Freiland: durchschnittlich zwei Jahre
in der Haltung: bis zu 18 Jahre
Status
(IUCN Rote Liste)
nicht gefährdet