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Katta

Kattas sind eine auf der Insel Madagaskar lebende Lemurenart. Dank ihres langen Ringelschwanzes und ihrer hellen Augen sind sie unverwechselbar und gehören zu den bekanntesten Vertretern dieser Primatengruppe. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich hauptsächlich über den südwestlichen Teil von Madagaskar. Da Kattas wie alle Lemuren nur auf Madagaskar vorkommen und zunehmend unter Lebensraumzerstörung und Bejagung leiden, sind sie laut Weltnaturschutzunion (IUCN) gefährdet.

Besondere Merkmale

Katta-Gruppe im Außengehege des DPZ. Foto: Margrit Hampe
Katta-Gruppe im Außengehege des DPZ. Foto: Margrit Hampe

Kattas sind eine mittelgroße Lemurenart. Ihr auffälligstes Merkmal ist ihr langer schwarz-weiß geringelter, dicht behaarter Schwanz. Rücken und Beine sind grau bis rot-braun gefärbt, während die Bauchseite und das maskenhafte Gesicht von weißem Fell bedeckt sind. Sehr markant sind auch ihre gelb bis orange-roten Augen, die durch schwarze Umrandungen vom übrigen Gesicht abgegrenzt sind. An der jeweils zweiten Zehe befindet sich die, allen Lemuren eigene Putzkralle, eine steil vom Zeh aufragende Struktur, die der Fellpflege dient.

Ernährung

Die Nahrung der Kattas besteht hauptsächlich aus Früchten. Sie nehmen aber auch andere Pflanzenteile wie Blätter, Blüten, Sprosse und Baumrinden zu sich. Besonders bevorzugen Kattas Tamarindenbäume, deren Früchte und Blätter bis zu 50 Prozent ihrer Ernährung ausmachen können. Tierische Nahrungsquellen sind vor allem Insekten und kleinere Wirbeltiere, wie beispielsweise Eidechsen.

Ein Katta sonnt sich im Gehege des DPZ. Foto: Margrit Hampe
Ein Katta sonnt sich im Gehege des DPZ. Foto: Margrit Hampe

Lebensraum und Lebensstil

Kattas bewohnen von allen Lemuren die größte Vielfalt an Lebensräumen. Sie bevorzugen trockene Laub-, Dornen- und Galeriewälder, kommen aber auch im Buschland der Savannen vor sowie im felsigen Bergland über der Baumgrenze, wo sie teilweise mit großen Temperaturschwankungen zurechtkommen müssen. Kattas halten sich im Vergleich zu anderen Lemurenarten viel am Boden auf. In der Nacht schlafen sie auf Bäumen oder in Felshöhlen. Ihre Streifgebiete umfassen im Durchschnitt sechs bis 23 Hektar und werden über einen langen Zeitraum beibehalten. Tagsüber wandern die Gruppen bis zu einem Kilometer weit umher. Die meiste Zeit verbringen sie mit Nahrungssuche und –aufnahme sowie mit sozialer Fellpflege und Sonnenbaden. Dabei nehmen sie eine typische Haltung ein: Aufrecht sitzend, mit gespreizten Beinen und ausgebreiteten Armen lassen sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Kattas wurden lange für ausschließlich tagaktive Tiere gehalten. Neuere Studien belegen allerdings, dass einige Gruppen eine kathemerale Lebensweise ohne festen Tag-Nacht-Rhythmus bevorzugen und damit über ihren ganzen 24-Stunden-Zyklus aktiv sind. Die Flexibilität ihrer Aktivitätszeiten ist dabei sehr variabel und kann vom jeweiligen Streifgebiet, den Jahreszeiten, Witterungsbedingungen und dem jeweiligen Nahrungsangebot abhängen. Kattas markieren ihr Streifgebiet, durch Duftmarken, die sie aus ihren Körperdrüsen absondern. Neben dieser olfaktorischen Kommunikation, verständigen sie sich häufig durch Körperhaltungen, Blicke und Gesten. Sehr gut erforscht sind auch die lautlichen Kommunikationsformen der Kattas. In einer Studie wurden 28 verschiedene Lautäußerungen identifiziert, mit denen die Tiere Kontakt aufnehmen, sich gegenseitig warnen und Angst oder Wohlbefinden ausdrücken können.

Sozialverhalten und Fortpflanzung

Kattas leben in Gruppen von sechs bis 24 Individuen. Foto: Christian Schlögl
Kattas leben in Gruppen von sechs bis 24 Individuen. Foto: Christian Schlögl

Kattas organisieren sich in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von durchschnittlich sechs bis 24 Individuen. Katta-Weibchen dominieren ihre Männchen und setzen diese Hierarchie mit Hieben und Bissen in der Gruppe durch. Während die Männchen mit der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe verlassen, verbleiben die Weibchen und bilden den Kern der Einheit. Angeführt wird die Gruppe von einem zentralen Weibchen, das die Bewegungsrichtung bestimmt und die Gruppe aggressiv gegen fremde Artgenossen verteidigt. Alle anderen Weibchen bilden ebenfalls eine Rangordnung aus, die nicht vererbt wird. Die Rangordnung der Männchen etabliert sich neben der der Weibchen und wird durch sogenannte „Stinkkämpfe“ entschieden. Dabei tränken die Tiere ihre Schwanzspitzen mit dem Sekret ihrer Armdrüsen und wedeln diese in Richtung des Konkurrenten. Höher gestellte Männchen sind meist zwischen sechs und neun Jahren alt, während untergeordnete Männchen häufig jünger oder älter sind. Meist existieren ein bis drei hochrangige Männchen in der Gruppe, während die anderen niedriger gestellt sind. Die Hierarchie beider Geschlechter in der Gruppe spiegelt sich in der Marschordnung wider. Hochrangige Tiere gehen an der Spitze, während alle anderen dahinter folgen müssen. Auch der Zugang zu Nahrungsressourcen und zu paarungsbereiten Weibchen wird nach der Rangordnung geregelt.

Ein Katta-Kind nutzt die Vorteile der Jugend und lässt sich Spazierentragen. Foto: Christian Schlögl
Ein Katta-Kind nutzt die Vorteile der Jugend und lässt sich Spazierentragen. Foto: Christian Schlögl

Die Fortpflanzungszeit der Kattas liegt zwischen Mitte April und Mitte Mai. In dieser Zeit kämpfen die Männchen um einen höheren Platz in der Rangordnung, um sich mit den Weibchen paaren zu können. Die Weibchen pflanzen sich zunächst mit hochrangigen Männchen fort, paaren sich danach aber auch mit anderen Männchen in absteigender Hierarchie. Nach einer Tragzeit von 138 bis 141 Tagen bringt das Weibchen meist ein Junges zur Welt, das nur 70 bis 80 Gramm wiegt und zunächst sehr hilflos ist. Auffällig sind die hellblauen Augen der Katta-Jungen, die erst mit dem Erwachsenenalter ihre orange Farbe bekommen. Die Weibchen tragen die Jungen die ersten beiden Wochen an ihrem Bauch, später auf dem Rücken. Sind die Jungen etwas älter beteiligen sich alle Weibchen der Gruppe an der Jungenaufzucht und auch Männchen kümmern sich von Zeit zu Zeit um den Nachwuchs. Das Junge nimmt ab der achten Woche feste Nahrung zu sich und ist mit fünf Monaten vollständig entwöhnt. In Anpassung an die schwierigen klimatischen Bedingungen, bekommen Katta-Weibchen einmal im Jahr Junge, von denen bis zu 50 Prozent im ersten Jahr sterben und nur rund 30 Prozent das Erwachsenenalter erreichen.

Gefährdung

Kattas sind nach Einschätzung der IUCN gefährdet. Die Gründe sind vor allem die zunehmende Zerstörung ihres Lebensraumes durch Abholzungen und Brandrodungen. Im Gegensatz zu anderen Primatenarten passen sich Kattas nicht so leicht an die Umwandlungen ihres Lebensraumes an. Wo die natürliche Vegetation den Plantagen und Gärten der Menschen weichen muss, können sie nicht überleben und werden deshalb immer mehr zurück gedrängt. Außerdem werden Kattas wegen ihres Fleisches gejagt oder als Haustiere gehalten. Nach Angaben der IUCN ist die Gesamtpopulation in den letzten drei Generationen (rund 24 Jahre) um 50 Prozent zurückgegangen

 

Quelle: Handbook of the Mammals of the World: Primates (edited by Mittermeier, R.A., Ryland, A.B., Wilson D.E., published by Lynx Edicions, Conservation International, IUCN, 2013)

Verbreitung

Verbreitungsgebiet der Kattas auf Madagaskar. Abbildung. Sylvia Siersleben
Verbreitungsgebiet der Kattas auf Madagaskar. Abbildung. Sylvia Siersleben

Steckbrief Katta

Wissenschaftlicher NameLemur catta
Taxonomie

Teilordnung:
Lemuren

Familie:
Gewöhnliche Makis

Gattung:
Lemur

Art:
Katta

VerbreitungSüd- und Südwest-Madagaskar
Kopf-Rumpf-Länge39 - 46 cm
Schwanzlänge56 - 63 cm
Gewicht2,2 kg
ErnährungFrüchte, junge Blätter, Blüten, Kräuter, Rinde, Pflanzensäfte, Tamarindenblätter und -früchte, Insekten, kleinere Wirbeltiere
Lebensstildämmerungs- & tagaktiv (kathemeral), boden- und baumlebend
Soziale Organisationgemischt-
geschlechtliche Gruppen, Weibchen-dominiert
Paarungssystempolyandrisch
Lebenserwartung (Haltung)bis zu 33 Jahre
Status
(IUCN Rote Liste)
gefährdet