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Schwarzweißer Vari

Die Schwarzweißen Varis gehören mit ihrem dichten, schwarzweiß gemusterten Fell zu den schönsten Lemurenarten Madagaskars. Sie sind inzwischen sehr selten und kommen nur in einigen wenigen Gebieten an der Ostküste der Insel vor. Derzeit unterscheiden Primatologen drei Unterarten, die hauptsächlich in der Zeichnung ihres Fells variieren.

Besondere Merkmale

Ein Schwarzweißer Vari im Außengehege des DPZ. Die Tiere zeichnen sich besonders durch ihr dichtes schwarzweißes Fell, den langen Schwanz und die hundeähnliche Schnauze aus. Foto: Karin Tilch
Ein Schwarzweißer Vari im Außengehege des DPZ. Die Tiere zeichnen sich besonders durch ihr dichtes schwarzweißes Fell, den langen Schwanz und die hundeähnliche Schnauze aus. Foto: Karin Tilch

Charakteristisch für die Schwarzweißen Varis ist ihre hundeähnliche Schnauze, die Halskrause und Ohrenbüschel sowie der lange, dicht behaarte Schwanz. Je nach Verbreitungsgebiet und Unterart variiert die Färbung ihres Fells. Von Norden nach Süden nimmt dabei der Anteil an weißem Fell auf dem Rücken der Varis zu. Die Farbe ihrer Augen ist gelb bis bernsteinfarben.

Ernährung

Schwarzweiße Varis ernähren sich hauptsächlich von reifen Früchten und sind deshalb wie kaum eine andere Lemurenart abhängig von früchtetragenden Bäumen. Daneben fressen sie aber auch Blätter, Samen und Blüten. Mit Hilfe ihrer langen Schnauzen und Zungen sind sie darüber hinaus in der Lage, Nektar aus Blüten zu lecken und erfüllen damit für eine Reihe madagassischer Pflanzen eine wichtige Bestäubungsfunktion.

Lebensraum und Lebensweise

Schwarzweiße Varis fühlen sich in Wäldern am wohlsten. Sie bewohnen hauptsächlich feuchte Regenwälder des Flachlandes und Bergwälder bis zu 1300 Metern Höhe. Sie sind tag- und dämmerungsaktiv und verbringen die meiste Zeit mit Nahrungssuche, Umherwandern und Ruhepausen. Sie leben hoch oben in den Baumkronen und sind deshalb so gut wie nie am Boden anzutreffen. Sie können gut klettern und weitere Distanzen springend überwinden. Am aktivsten sind die Tiere am frühen Morgen und in den Abendstunden. Schwarzweiße Varis kommunizieren untereinander durch laute Rufe.

Schwarzweiße Varis halten sich meistens auf Bäumen auf und können deshalb hervorragend klettern. Foto: Anton Säckl
Schwarzweiße Varis halten sich meistens auf Bäumen auf und können deshalb hervorragend klettern. Foto: Anton Säckl
Ein Schwarzweißer Vari sonnt sich im Außengehege des DPZ. Die Tiere sind im Freiland sowohl am Tag als auch in der Dämmerung aktiv. Foto: Anton Säckl
Ein Schwarzweißer Vari sonnt sich im Außengehege des DPZ. Die Tiere sind im Freiland sowohl am Tag als auch in der Dämmerung aktiv. Foto: Anton Säckl

Sozialverhalten und Fortpflanzung

Bezüglich ihrer sozialen Organisation sind Schwarzweiße Varis variabel. Meist leben die Tiere in Familiengruppen von zwei bis fünf Individuen. Die Gruppen können jedoch auch auf bis zu 16 Mitglieder anwachsen. Ist das Angebot an Nahrung in ihrem Lebensraum knapp, spalten sich die Gruppen häufig wieder in kleinere Einheiten auf. Schwarzweiße Varis sind polygam. Die Weibchen werden mit knapp zwei Jahren geschlechtsreif, Männchen etwas später mit etwa drei Jahren. Paarungen finden meist von Mai bis Juli statt. Das Weibchen ist während ihres 30-Tage-Zyklus nur einen Tag lang empfängnisbereit. Nach einer Tragzeit von 99 bis 106 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich zwei bis drei Junge zur Welt. Die Mutter gebiert sie in einem Nest bestehend aus Zweigen, Blättern und ihrem eigenen Fell, das sie in Astgabeln baut. Die Neugeborenen sind anfangs noch sehr hilflos und wiegen nur etwa 100 Gramm. Ihre Augen sind blau und werden erst in der zweiten Lebenswoche gelb. Wenn das Weibchen auf Futtersuche geht, lässt sie ihre Jungen in den ersten Wochen im Nest zurück. Schwarzweiße Varis müssen bei der Nahrungssuche teilweise große Distanzen überwinden, was im Beisein der Jungen einen zu großen Energieaufwand für das Weibchen bedeuten würde. Sind die Jungen schließlich größer, trägt die Mutter sie im Maul herum und „parkt“ sie während der Nahrungssuche an geschützten Orten, wie beispielsweise dicht belaubten Astgabeln. Bei Schwarzweißen Varis beteiligt sich die ganze Gruppe an der Jungenaufzucht. Die anderen Gruppenmitglieder helfen beim Bewachen, Tragen, Reinigen und Füttern der Jungen. Die Jungen werden bis zu 135 Tage gesäugt. Sie entwickeln sich sehr schnell und sind mit sechs Monaten bereits ausgewachsen.

Gefährdung

Schwarzweiße Varis sind laut IUCN vom Aussterben bedroht. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Zerstörung ihrer Lebensräume durch Brandrodung, Abholzung und Bergbau. Außerdem werden die Varis wegen ihres Fleisches und ihrer Felle gejagt und als Haustiere gehalten.

 

Quelle: Handbook of the Mammals of the World: Primates (edited by Mittermeier, R.A., Ryland, A.B., Wilson D.E., published by Lynx Edicions, Conservation International, IUCN, 2013)

Verbreitung

Verbreitungsgebiet der Schwarzweißen Varis auf Madagaskar. Abbildung: Sylvia Siersleben
Verbreitungsgebiet der Schwarzweißen Varis auf Madagaskar. Abbildung: Sylvia Siersleben

Steckbrief Schwarzweißer Vari

Wissenschafticher NameVarecia variegata
Taxonomie

Teilordnung:
Lemuren

Familie:
Gewöhnliche Makis

Gattung:
Varis

Art:
Schwarzweißer Vari

VerbreitungNordost-Madagaskar
Kopf-Rumpf-Länge45 cm
Schwanzlänge60 - 61 cm
Gewicht

3,6 kg
(Männchen)

3,7 kg
(Weibchen)

ErnährungFrüchte, junge Blätter, Samen, Blüten, Nektar
Lebensstildämmerungs- & tagaktiv, baumlebend
Soziale Organisationkleinere Familienverbände,
gemischt-
geschlechtliche Gruppen, kooperative Jungenaufzucht
Paarungssystempolygam
Lebenserwartung (Haltung)bis zu 35 Jahre
Status
(IUCN Rote Liste)
stark gefährdet (vom Aussterben bedroht)