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FAQs

In dieser Liste finden Sie Antworten zu "frequently asked questions" (FAQs), also häufig gestellten Fragen. Mit ihnen wollen wir Menschen informieren, die Fragen zu Tierversuchen haben. Viele der Fragen sind allgemeiner Natur und die Antworten gelten daher für viele verschiedene Arten von Tierversuchen. Selbstverständlich werden Sie in diesen Texten aber vor allem viele Antworten finden, die insbesondere auf die Situation am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) zutreffen, wo Wissenschaftler Forschungsfragen über und mit Primaten klären.

Wenn Sie direkt zu einer einzelnen Frage springen wollen, wählen Sie rechts die entsprechende aus.

Warum gibt es Tierversuche?

Es gibt vornehmlich drei Gründe für wissenschaftliche Tierversuche: Sie sind notwendig zur Vorbereitung medizinischer Fortschritte, die zu neuen und besseren Medikamenten, Behandlungstechniken wie in der Chirurgie oder Geräten wie Prothesen führen (Tierversuche für die Anwendung in der Human- und Tiermedizin). Sie erhöhen die gesundheitliche Sicherheit von Menschen, Tieren und unserer Umwelt, da sie gebraucht werden, um Inhaltsstoffe von Produkten auf Schädlichkeit zu prüfen (Tierversuche zum Erkennen und Ausschließen von Umweltgefährdungen). Drittens vergrößern solche Versuche Erkenntnisse über Fragen zur Lebenswissenschaft, die in Zukunft in medizinische und technische Fortschritte einfließen können (Tierversuche in der Grundlagenforschung zum Erkenntnisgewinn).

Ergebnisse aus den Neurowissenschaften, wie sie zum Beispiel am DPZ gewonnen werden, kommen zum Beispiel in der medizinischen Robotertechnik zur Anwendung. Neurowissenschaft ist auch einer der drei Schwerpunkte des Deutschen Primatenzentrums. Außer den Funktionsweisen des Gehirns erforschen Wissenschaftler hier Infektionskrankheiten wie HIV, Grippe (Influenza) oder Hepatitis mit dem Einsatz von Primaten.

Ergebnisse aus der Neurowissenschaftlichen Forschung des DPZ fließen in die Entwicklung von medizinischer Robotertechnik ein. Zu sehen ist hier ein Roboterarm, der Gelähmten Patienten helfen soll, die Handfunktion zu ersetzen. Foto: Steuer
Ergebnisse aus der Neurowissenschaftlichen Forschung des DPZ fließen in die Entwicklung von medizinischer Robotertechnik (Neuroprothetik) ein. Zu sehen ist hier ein Roboterarm, der gelähmten Patienten helfen soll, die Handfunktion zu ersetzen. Foto: Steuer

Was ist überhaupt ein Tierversuch?

Was in Deutschland als Tierversuch gilt, definiert das deutsche Tierschutzgesetz. Darin heißt es in Paragraph 7:

„Tierversuche im Sinne dieses Gesetzes sind Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken

1. an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für diese Tiere verbunden sein können,
2. an Tieren, die dazu führen können, dass Tiere geboren werden oder schlüpfen, die Schmerzen, Leiden oder Schäden erleiden, oder
3. am Erbgut von Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die erbgutveränderten Tiere oder deren Trägertiere verbunden sein können.

Als Tierversuche gelten auch Eingriffe oder Behandlungen, die nicht Versuchszwecken dienen, und
1. die zur Herstellung, Gewinnung, Aufbewahrung oder Vermehrung von Stoffen, Produkten oder Organismen vorgenommen werden,
2. durch die Organe oder Gewebe ganz oder teilweise entnommen werden, um zu wissenschaftlichen Zwecken a) die Organe oder Gewebe zu transplantieren, b) Kulturen anzulegen oder c) isolierte Organe, Gewebe oder Zellen zu untersuchen, oder
3. die zu Aus-, Fort- oder Weiterbildungszwecken vorgenommen werden“

Sind Tierversuche notwendig?

Viele Tierversuche sind notwendig und unverzichtbar. So steht es auch explizit im Tierschutzbericht der Bundesregierung: "Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft kann auf Tierversuche - trotz des vermehrten Einsatzes von Alternativmethoden - nicht vollständig verzichtet werden" (Tierschutzbericht der Bundesregierung 2015, S. 40). Unverzichtbar sind sie immer da etwa, wo Ergebnisse nur erzielt werden können, wenn es um die komplizierten Mechanismen im arbeitenden Kreislauf eines Organismus geht.

Für Tests zu Medikamenten gegen Bluthochdruck beispielsweise muss der Blutkreislauf aktiv sein. Viele medizinische Therapien, die Leben verlängern und schwere Krankheiten bekämpfen, sind nur durch Versuche an Tieren möglich geworden. Antibiotika, Organtransplantationen oder Blutdrucksenker sind Beispiele für medizinische Errungenschaften, die tausende Leben gerettet haben und ohne Tierversuche unmöglich geblieben wären.

Wer setzt Tiere zu Versuchen ein?

Alle, die in Deutschland und am Deutschen Primatenzentrum tierexperimentell arbeiten, sind gut dafür ausgebildet. Viele verschiedene Wissenschaftler nutzen Tierversuche für ihre Forschung: Mediziner, Tiermediziner, Biologen oder auch Neurowissenschaftler. Sie werden von gut ausgebildeten Tierpflegern unterstützt, mit denen gemeinsam sie dafür sorgen, dass die Tiere so wenig wie möglich durch die Experimente belastet werden. Die Forschungsprojekte geschehen nur unter Aufsicht unabhängiger amtlicher Tierärzte und in behördlich genehmigten Gebäuden, in denen die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend untergebracht sind.

Das Foto zeigt einen Tierpfleger beim füttern.
Die Tierpfleger des DPZ sorgen gemeinsam mit den Wissenschaftlern dafür, dass die Versuchstiere gut versorgt werden und so wenig wie möglich leiden. Foto: Steuer

Wie wird sichergestellt, dass die Tiere so wenig wie möglich leiden?

Dass unsere Tiere so wenig wie möglich leiden, stellen Tierpfleger und Wissenschaftler sicher. Es gibt dafür gute Gründe: Einerseits sind Wissenschaftler keine Tierquäler, sondern verantwortungsbewusste Menschen, die ihre Mitgeschöpfe so gut wie möglich behandeln wollen. Andererseits sind nur mit Tieren, die nach allem Ermessen stressfrei, gesund und nach ihren Bedürfnissen leben, exakte Forschungsergebnisse zu erzielen. Zuletzt gibt es natürlich gesetzliche Bestimmungen, die festlegen, dass und wie Tiere artgerecht gehalten werden müssen. So ist beispielsweise vorgeschrieben, dass Tiere bei Eingriffen, die Schmerzen auslösen, narkotisiert sein müssen, sofern die Narkose bei ihnen nicht mehr Stress auslöst als der Eingriff selbst.

Am DPZ sorgt der Tierschutzbeauftragte Prof. Franz-Josef Kaup dafür, dass die gültigen Verordnungen eingehalten werden und dass es den Tieren gut geht. Gleichzeitig ist für das DPZ aber auch ein unabhängiger Tierarzt vom Veterinäramt zuständig, der die Lebensbedingungen der Primaten regelmäßig kontrolliert.

Woher stammen die Versuchstiere?

Die für die Forschung gezüchteten Labortiere stammen entweder aus Zuchteinrichtungen wie dem DPZ, das für die europäischen Forschungsinstitute Primaten züchtet, oder Zuchtbetrieben in den Herkunftsländern der Tiere. Pro Jahr liefert das Deutsche Primatenzentrum 40 bis 80 Tiere an andere Forschungsinstitute.

Es werden für Forschung in Deutschland also keine frei lebenden Primaten gefangen. Die Tiere müssen nämlich gesundheitlichen und genetischen Standards entsprechen, damit aussagekräftige Forschungsergebnisse erzielt werden können.

Mehr zu den strengen Auflagen für die Haltung und Zucht von Primaten in der Forschung erfahren Sie hier.

Das Foto zeigt einen Rhesusaffen
Ein Rhesusaffe in der Primatenzucht des DPZ. Die Tiere, die am DPZ und an anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen in Deutschland zum Einsatz kommen, stammen größtenteils aus der Zucht des Deutschen Primatenzentrums. Foto: Säckl

Lassen sich die Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen übertragen?

Menschen und Säugetiere, insbesondere nicht-menschliche Primaten, ähneln einander in ihrer Anatomie und den Körperfunktionen sehr. Viele lebenswichtige Organe wie Herz, Leber, Niere oder Lunge funktionieren nach denselben Prinzipien. Auch zahlreiche Krankheiten des Menschen können bei Tieren vorkommen, wie beispielsweise die Schweine- oder Vogelgrippe, BSE oder HIV.

Viele Ergebnisse von Tierversuchen lassen sich deshalb auch auf den Menschen übertragen. Besonders wenn es um die Wirkungsweise von Medikamenten im menschlichen Körper geht, können Tierversuche wichtige Rückschlüsse liefern. Dabei ist es wichtig, die für die jeweilige Fragestellung passende Versuchstierart auszuwählen. Zwar ist eine 100-prozentige Vorhersage, wie ein neuer Wirkstoff im menschlichen Körper aufgenommen wird, nicht möglich. Tierversuche helfen jedoch, grundlegende Risiken für die Gesundheit des Menschen zu kalkulieren und auszuschließen und tragen deshalb wesentlich zu neuen Erkenntnissen in der biomedizinischen Forschung bei.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist zum Beispiel auf Grundlage von empirischen Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass rund 70 Prozent der unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln beim Menschen in Tierversuchen korrekt vorhergesagt wurden. Viele dieser Wirkstoffe (rund 36 Prozent) werden daraufhin aus dem Entwicklungsprozess genommen und nicht mehr am Menschen geprüft, weil sie zu große Sicherheitsrisiken darstellen würden (DFG-Broschüre "Tierversuche in der Forschung", S. 36). Die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen gilt übrigens auch umgekehrt: Medikamente, die für den Menschen funktionieren, können demnach auch für Haus- oder Nutztiere eingesetzt werden.

Unter folgendem Link finden Sie einige Forschungsbereiche, die auf den Ergebnissen aus Tierversuchen aufbauen.

Was sind die 3Rs bei Tierversuchen?

Das 3R-Prinzip wurde von den Wissenschaftlern William Russel und Rex Burch in ihrem 1959 publizierten Buch "The Principles of Humane Experimental Technique" entwickelt. Sie wollten mit drei Methoden das Leid von Tieren bei Versuchen verringern: Replacement (Vermeidung), Refinement (Verfeinerung), Reduction (Verringerung).

Unter den Begriff Replacement fasst man solche Maßnahmen, die zu einem Ersatz von Tierversuchen (durch Versuche an Zellkulturen, durch Computersimulationen) führen. Als Refinement bezeichnet man solche Versuchsansätze, die das Leiden der Versuchstiere minimieren, indem verbesserte Methoden angewandt werden. Ein einfaches Beispiel ist, dass Tiere nur noch narkotisiert operiert werden. Und mit Reduction ist die Minimierung der Versuchstierzahl durch ein kluges Versuchsdesign und Abstimmung zwischen Wissenschaftlern gemeint, damit nicht ähnliche Versuche zweimal gemacht werden.

Verschiedene Institutionen zur Forschungsförderung knüpfen mittlerweile die Vergabe von Fördermitteln an die Ausrichtung der Forschung am 3R-Prinzip. Wissenschaftler, die am DPZ arbeiten und Versuche mit Primaten machen, verpflichten sich in einer ethischen Grundsatzvereinbarung schriftlich, bei ihrer Arbeit die 3R-Prinzipien anzuwenden.

Gibt es Alternativen zu Tierversuchen?

Es gibt Alternativen zu Tierversuchen, aber nur in Teilbereichen. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist es derzeit unmöglich, alle Tierversuche durch Alternativmethoden zu ersetzen und das wird voraussichtlich auch in Zukunft so bleiben. In einigen Fällen hat es aber bereits Erfolge gegeben, die zum Beispiel Versuche mit Ratten oder Mäusen überflüssig gemacht haben - unter anderem die Herstellung von Haut aus Stammzellen. Daran können dann Stoffe darauf untersucht werden, ob sie die Haut reizen. Auch Computersimulationen können helfen, Ergebnisse aus Tierversuchen zu ergänzen. Zudem ermöglichen es neue Bildgebungsverfahren in der Wissenschaft, zum Beispiel Bilder des Gehirns aufzunehmen, ohne dabei Tieren zu schaden. Am DPZ wird gerade solch ein neues Bildgebungszentrum gebaut, mit dem es unseren Wissenschaftlern möglich sein wird, ohne operativen Eingriff beispielsweise Erkenntnisse über die Gehirnaktivitäten von Affen zu gewinnen.

Wissenschaftler arbeiten aus mehreren Gründen intensiv daran, Methoden zu entwickeln, die Tierversuche ergänzen können: Erstens, um Leiden der Tiere zu reduzieren. Zweitens, um wissenschaftlich verlässlichere Ergebnisse zu gewährleisten. Drittens, um Kosten zu reduzieren, die durch die aufwändige, artgerechte Haltung vieler Versuchstiere entstehen. Deutsche Wissenschaftler verpflichten sich dazu, keine Tierversuche vorzunehmen, die durch alternative Methoden ersetzt werden können oder die Ergebnisse produzieren würden, die ein anderer Forscher auf der Welt bereits erzielt hat. In Deutschland unterhält die "Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden" (ZEBET, gegründet 1989) eine Datenbank mit Alternativmethoden zu behördlich vorgeschriebenen Tierversuchen. Die Zentralstelle prüft zudem alternative Testmethoden auf ihre Relevanz und Reproduzierbarkeit (dieser Prozess wird als Validierung bezeichnet) und vergibt Fördermittel zur Erforschung von Tierversuchsersatzmethoden.

Das Foto zeigt eine Nährlösung in einem Labor des DPZ.
Alternativmethoden können derzeit Tierversuche nicht vollständig ersetzen. Das Foto zeigt eine Nährlösung in einem Labor des DPZ. Foto: Kiel

Ist Grundlagenforschung für den medizinischen Fortschritt wichtig?

Am DPZ arbeiten die Wissenschaftler im Bereich der Grundlagenforschung. Das Wissen, das sie schaffen, dient nicht direkt medizinischen oder anderen Anwendungsgebieten, sondern soll das grundsätzliche Verständnis der Menschheit über lebenswissenschaftliche Fragen bereichern. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler vor allem Fragen nach dem Wie und nach dem Warum beantworten. Beispielsweise muss man zuerst verstehen, wie ein Virus sich im Körper ausbreitet und wie das Immunsystem funktioniert, um irgendwann ein Heilmittel oder Impfstoffe dagegen herzustellen. Nur wenn man weiß, wie das Gehirn Bewegungen steuert, ist es möglich Neuroprothesen zu entwickeln, die irgendwann querschnittsgelähmten Patienten helfen. Daran arbeiten die Wissenschaftler des DPZ und legen mit ihren Erkenntnissen die Grundlage für spätere Anwendungen.

Allerdings lässt sich diese Trennung in der Praxis nicht aufrecht erhalten: Zwar dauert es teilweise lange, bis Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in der Anwendung nützlich werden (20 Jahre ist kein unwahrscheinlicher Zeitraum), aber es gibt immer wieder Beispiele dafür. Grundlagenforschung schafft Wissen, von dem Forscher hoffen, dass es in Zukunft in der Praxis gebraucht wird - aber Garantien gibt es dafür nicht. Denn niemand ist in der Lage, vorauszusagen, welche Entwicklungen die Menschheit innerhalb von zehn oder 20 Jahren machen wird und ob dafür bestimmte Grundlagen benötigt werden.

Trotzdem ist Grundlagenforschung die Basis auf der jede weitere Forschung aufbaut. Erkenntnisse, die im Tierversuch gewonnen werden, können aufgrund der grundsätzlichen Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier helfen, bestimmte Vorgänge im lebenden Organismus besser zu verstehen. Ohne das Wissen, das in der Grundlagenforschung gewonnen wird, sind wissenschaftliche und medizinische Durchbrüche undenkbar.

Mehr über die Bedeutung der Grundlagenforschung und Beispiele für wichtige Forschungserfolge finden Sie auch hier.

Welche Meinung hat die Bevölkerung zu Tierversuchen?

Zu dieser Frage hat die Europäische Union in den vergangenen gut zehn Jahren immer wieder unabhängige und repräsentative Umfragen in allen angehörigen EU-Ländern angefertigt. Das übereinstimmende Ergebnis war bei allen Studien: Die Mehrheit der Befragten befürwortet Tierversuche.

Bei der aktuellsten Umfrage im Jahr 2010 (S. 60) bejahten 44 Prozent der Teilnehmer die Frage "Sollten Wissenschaftler mit Tieren experimentieren dürfen, wenn dadurch gesundheitliche Probleme bei Menschen gelöst werden?". 37 Prozent waren dagegen, der Rest unentschlossen. Je besser die Menschen über Wissenschaft informiert waren, desto höher ist bei ihnen auch die Zustimmungsquote: Von den Befragten, die interessiert an Wissenschaft waren, bejahten 48 Prozent, von denjenigen, die sich für gut informiert über wissenschaftlichen Fortschritt hielten, 47 Prozent. Diese Zahlen betreffen speziell Versuche mit höher entwickelten Tieren wie Affen und Hunden. Noch höhere Zustimmungsquoten haben Versuche mit Nagetieren wie Mäusen (66 Prozent).

Sind Tierversuche gesetzlich geregelt?

In Deutschland sind Tierversuche seit Jahrzehnten gesetzlich geregelt. Das erste Tierschutzgesetz wurde 1972 erlassen, im Sommer 2013 ist eine Novelle des Gesetzes rechtskräftig geworden, die durch eine veränderte EU-Gesetzgebung erforderlich wird. Deutschland hat eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt. In keinem anderen EU-Land hat der Tierschutz Verfassungsrang - in Deutschland wurde er 2002 als Staatsziel ins Grundgesetz (Artikel 20a) aufgenommen. Weltweit hat außer Deutschland nur die Schweiz eine Verfassung, die den Tierschutz berücksichtigt.

Jedes Forschungsprojekt, das Tierversuche mit Wirbeltieren vorsieht, muss behördlich genehmigt werden und darf nur realisiert werden, wenn es einen wichtigen wissenschaftlichen oder medizinischen Nutzen für den Menschen erkennen lässt. Eine Tierversuchskommission, zu der immer auch Vertreter von Tierschutzorganisationen gehören, unterstützt die jeweilige Landesbehörde bei den Genehmigungen. Verboten sind in Deutschland Tierversuche zur Entwicklung von Waffen, Kosmetika, Waschmitteln und Tabakwaren.

Es gibt viele medizinische Erfolge, die auf Versuchen mit Primaten beruhen. Zwei Beispiele: Einer der größten medizinischen Erfolge, der mit Hilfe von Experimenten an Primaten erzielt wurde, war die Entwicklung eines Impfstoffes gegen den Polio-Virus in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Polio ist in Deutschland auch als "Kinderlähmung" bekannt. Der Amerikaner Jonas Salk identifizierte in den 1940er Jahren bei Versuchen mit Rhesusaffen zunächst die drei verschiedenen Poliovirus-Arten. Durch Polio erlitten damals hunderttausende Menschen weltweit schwere Missbildungen. In Zellkulturen aus Nierenzellen der Meerkatze entwickelte er dann einen Impfstoff, der 1955 mit großem Erfolg auf den Markt kam. Albert Sabin verbesserte diesen noch und benutzte dabei Primaten als Infektionsmodelle. Der Impfstoff, den er entwickelte, hatte Polio um 1965 in den USA so gut wie beseitigt und auch weltweit die Krankheit deutlich eingedämmt.

Ein Ergebnis der Neurowissenschaften, mit dem weltweit schon zehntausenden Patienten geholfen werden konnte, ist die tiefe Hirnstimulation. Sie ist in den 1980er und 1990er Jahren unter anderem durch Versuche mit Makaken etabliert worden. Umgangssprachlich wird sie mitunter auch als "Hirnschrittmacher" bezeichnet. Mit ihr lassen sich bestimmte Formen der Parkinsonschen Krankheit, die vor allem mit ständigem Zittern (Tremor) einhergehen, therapieren und auch Symptome anderer Erkrankungen wie die Dystomie oder Multiple Sklerose. Tiefe Hirnstimulation gelingt über Elektroden, mit denen Impulse ins menschliche Gehirn geleitet werden. Dort regen sie Zellen zu Aktivität an und stoppen so etwa das Zittern beim Tremor.

Das sind zwei prominente Beispiele aus der Infektionsforschung und den Neurowissenschaften - Forschungsbereiche, die zwei der drei Standbeine des DPZ sind. Auch am DPZ forschen Wissenschaftler an Themen, die in Zukunft ähnlich sinnvoll genutzt werden könnten.

Gibt es auch Erfolge in der Tiermedizin, die durch Tierversuche erzielt wurden?

Die Tiermedizin ist durch Ergebnisse aus Tierversuchen ebenfalls in vielen Bereichen verbessert worden. Der Impfstoff gegen das Parvovirus beispielsweise, der mit Hilfe von Tierversuchen entdeckt wurde, rettet jedes Jahr vielen Hunden das Leben. Herzschrittmacher, die Tierärzte heutzutage mitunter auch Haustieren implantieren, konnten erst durch Versuche mit Tieren entwickelt werden. Und Forschung, die geklärt hat, wie sich bestimmte bedrohte Tierarten körperlich fortpflanzen, trägt dazu bei, diese Arten vor dem Aussterben zu bewahren.

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Quiz: Zehn Fragen zu Tierversuchen

Laborratte. Foto: Understanding Animal Research

Warum sind Tierversuche notwendig? Woher stammen die Versuchstiere und wann ist ein Tierversuch überhaupt zulässig? Testen Sie ihr Wissen in unserem Quiz. Es erwarten Sie zehn Fragen, bei denen auch mehrere Antworten richtig sein können.

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Das Bild zeigt Uwe Schönmann
Das Startbild des virtuellen Rundgangs mit Uwe Schönmann. Screenshot: Sylvia Siersleben

Der interaktive Rundgang führt die Besucher durch die Haltungs- und Zuchtbereiche des DPZ und hält viele wichtige Informationen zu Affenarten, Hygienevorschriften und der täglichen Arbeit von Tierärzten, -pflegern und Wissenschaftlern bereit.

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