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Zu Tisch in der Wildnis

Peru, Senegal, Madagaskar, Thailand: Das DPZ betreibt vier Feldstationen auf drei Kontinenten, um Verhalten und Ökologie verschiedener Primatenarten zu untersuchen. Bisher berichtete das DPZ regelmäßig über die neuesten Forschungsergebnisse aus den verschiedenen Feldstation. Nun wollen wir einen Blick hinter die Kulissen wagen und herausfinden, wie sich der Alltag der Forschenden in den exotischen Ländern gestaltet. Wie wohnen sie und wovon ernähren sie sich so mitten in der Wildnis? Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus und wie gestaltet man seine Freizeit?

Im ersten Teil der Reihe dreht sich alles um das leibliche Wohl unserer Kolleginnen und Kollegen am anderen Ende der Welt. Die Arbeit an den Feldstationen ist kräftezehrend, so dass die Mahlzeiten eine große Rolle im Alltag der Forschenden spielen. Gutes Essen erhält Motivation und Gesundheit, und gemeinsam eingenommene Mahlzeiten fördern den Gruppenzusammenhalt. Doch was kommt auf den Tisch in den verschiedenen Ländern? Wer kocht das Essen und kümmert sich um die Vorräte?

Senegal

DPZ-Forschungsstation Simenti im Senegal der Abteilung Kognitive Ethologie. Foto: Irene Gutiérrez Díez
DPZ-Forschungsstation Simenti im Senegal der Abteilung Kognitive Ethologie. Foto: Irene Gutiérrez Díez

Das Centre de Recherche de Primatologie Simenti befindet sich im größten Nationalpark Westafrikas, dem Niokolo Koba Nationalpark. Hier werden Ökologie und Verhalten von Guineapavianen erforscht. Da Sementi auch ein Militärstützpunkt des Nationalparks ist, leben die Forschenden und Feldassistenten zusammen mit drei Rangern an der Station. Zum Mittag- und Abendessen werde alle zusammen von eigens angestelltem Küchenpersonal bekocht, um das Frühstück muss sich jeder selber kümmern. Lebensmittel, inklusive privater Snacks, werden einmal im Monat in der nächstgelegenen Stadt besorgt.

Während das Frühstück je nach Geschmack aus Müsli, von den Rangern gebackenem Brot, süßen Aufstrichen und Kaffee oder Tee besteht und somit den heimischen Gewohnheiten sehr nahe kommt, setzen sich die restlichen Mahlzeiten des Tages aus senegalesischen Speisen zusammen. Daher stehen mittags Gerichte wie Thieboudienne (das Nationalgericht Senegals bestehend aus Reis mit Fisch und Gemüse), Yassa (Reis mit Fisch und Zwiebelsauce) oder Mafé (Reis mit Erdnusssauce, Rind und Gemüse) an der Tagesordnung. „Ein weiteres traditionelles Gericht, Thiou diw tiir, welches aus Reis mit Palmöl-Sauce und Fisch besteht, war so unbeliebt bei den Forschenden, dass es mittlerweile verbannt wurde“, sagt Irene Gutiérrez Díez, Leiterin der Feldstation. Nach dem Mittag gibt es traditionell Ataya Tee – ein Grüntee, welcher durch wiederholtes hin- und her schütten aufgeschäumt und anschließend mit viel Zucker getrunken wird. Das Abendessen ist abwechslungsreicher als das Mittagessen und findet vor dem Fernseher statt, um Nachrichten oder Fußballspiele zu verfolgen. Es gibt Pasta, Pommes oder Couscous in Kombination mit verschiedenen Soßen, Hülsenfrüchten, Salaten und Fleischsorten. Das gemeinsame Essen ist im Senegal sehr wichtig und so werden Speisen mittags und abends stets traditionell in einer großen Schüssel oder einem Topf serviert, aus welchem alle gleichzeitig essen. Wasser kommt aus einem angelegten Brunnen, welches nach dem Filtern trinkbar ist.

Bei den monatlichen Ausflügen in die Stadt stocken die Forschenden nicht nur ihre Vorräte auf, sondern nutzen die Tage auch, um sich ausgiebig ihren kulinarischen Gelüsten hinzugeben. „An diesen Tagen kommen wir nicht umhin, uns an Pizzen und Salaten satt zu essen“, sagt Irene Gutiérrez Díez. „Mittlerweile gibt es sogar Geschäfte, die französisches Feingebäck und Eis anbieten. Ein Traum!“

Ataya Tee. Foto: Khadija-Amanda Barciela
Ataya Tee. Foto: Khadija-Amanda Barciela
Hühnersalat. Foto: Anaïs Avilés de Diego
Hühnersalat. Foto: Anaïs Avilés de Diego
Hühnersalat mit Zwiebeln. Foto: Irene Gutiérrez Díez
Hühnersalat mit Zwiebeln. Foto: Irene Gutiérrez Díez
Traditionelles Essen. Foto: Julia Fischer
Traditionelles Essen. Foto: Julia Fischer

Madagaskar

DPZ-Forschungsstation Kirindy der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie. Foto: Peter Kappeler
DPZ-Forschungsstation Kirindy der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie. Foto: Peter Kappeler

Die DPZ-Feldstation Kirindy Forest befindet sich im Westen Madagaskars, einem der wichtigsten Biodiversität-Hotspots der Welt. Hier werden vor allem Lemuren erforscht, welche nur auf dem Inselstaat vorkommen. In Kirindy werden die Forschenden zusammen mit acht einheimischen Feldassistenten von zwei Köchen versorgt. Lebensmittel werden einmal pro Woche in der 60 Kilometer entfernten Küstenstadt Morondava besorgt, sodass gegen Ende einer Woche frisches Obst und Gemüse schon mal knapp werden können. Da es an der Station keinen Brunnen gibt, werden wöchentlich große Wasserkanister im Brunnen des nächsten Dorfs Beroboka (rund 30 Minuten Fahrzeit) aufgefüllt und per Geländewagen an die Station gebracht. Trinkwasser wird dann im Camp gefiltert.

Das Frühstück gestaltet sich immer gleich. Jeder bekommt ein Stück Baguette, Omelett, Butter, eine kleine Banane und Konfitüre (mitunter aus einheimischen Früchten wie Jujube). Zusätzlich gibt es eine dicke Reissuppe (Vary sosoa), mal mit Kräutern, mal pur, welche herzhaft mit etwas Omelett oder Fleisch, oder süß mit Zimt, Banane und gezuckerter Kondensmilch (Ronono) gegessen wird. Mittags gibt es immer Reis mit verschiedenen Bohnen oder Linsen in Soße, dazu Fleisch (meist Geflügel oder Zebu - das einheimische Hausrind) und frischer Salat. „Wenn wir uns nicht gerade über die letzten Reste des Salats streiten, führen wir beim Lunch regelmäßig Diskussionen über unsere bevorzugten Bohnen- oder Linsensorten“, witzelt Johanna Henke - von der Malsburg, Doktorandin der Abteilung „Verhaltensökologie und Soziobiologie“. Zum Nachtisch gibt es ein Stück Obst und gelegentlich Crêpes oder Banana flambée, abgerundet mit einer Tasse Kaffee. Das Abendessen ist am abwechslungsreichsten. Es gibt Pasta mit Tomatensoße, Minsao (ein Bratnudelgericht mit Gemüse und Ei), Pommes mit Pfannengemüse und sogar Pizza, belegt mit Karotten, Paprika und grünen Bohnen. Die madagassischen Mitarbeiter bevorzugen eine fleischlastigere Ernährung und erfreuen sich daher abends an Reis mit Fleisch in verschiedenen Soßen. Für mehr Pepp beim Essen sorgt das traditionelle Sakay, ein extrem scharfer Dip aus getrockneten Chilischoten, welchen jeder nach eigenem Geschmack unter sein Essen rühren kann.

Jedes zweite Wochenende verbringen die Forschenden in Morondava, wo sie für sich selbst kochen oder in Restaurants den Luxus von Beignets de Crevette (Shrimps im Backteig), fangfrischem Fisch, Sambos (frittierte Teigtaschen gefüllt mit Fleisch, Fisch oder Gemüse), Mousse au Chocolat, Eis und Cola genießen. Dort werden auch Snacks für den Wald aufgestockt, wie Schokolade, Kekse und Kräcker.

Frühstück. Foto: Johanna Henke - von der Malsburg
Frühstück. Foto: Johanna Henke - von der Malsburg
Mittagessen. Foto: Katja Rudolph
Mittagessen. Foto: Katja Rudolph
Früchte. Foto: Johanna Henke - von der Malsburg
Früchte. Foto: Johanna Henke - von der Malsburg

Peru

DPZ-Forschungsstation EBQB der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie. Foto: Katrin Heer
DPZ-Forschungsstation EBQB der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie. Foto: Katrin Heer

Die peruanische Estación Biológica Quebrada Blanco (EBQB) liegt am wasserreichsten Fluss der Welt, dem Amazonas. Die tropischen Regenwälder an den ausgedehnten Ufern sind die Heimat für viele Neuweltaffen, welche die Forschenden untersuchen.

Aufgrund der sehr abgelegenen Lage der Feldstation (zur nächstgrößeren Stadt Iquitos braucht man 24 Stunden zu Fuß und per Boot) kauft das Team, bestehend aus Forschenden und zwei bis drei einheimischen Feldassistenten, nur einmal im Monat Lebensmittel ein. Da es keine Kühlmöglichkeiten gibt, sind die frischen Lebensmittel innerhalb der ersten anderthalb Wochen aufgebraucht und es bleiben nur länger haltbare Speisen, wie Konserven, Reis und Nudeln. Frischen Fisch und Obst (wie Ananas, Wassermelone, Ungurahui (einheimische Palmfrüchte), Bananen und Maracujas) gibt es jedoch gelegentlich von schwimmenden Händlern oder benachbarten Dorfbewohnern. „Im Camp selbst haben wir Sträucher mit Chilischoten und Coconas angelegt. Coconas sind tomatenartige, sauren Früchte, aus welchen man leckere Limonade machen kann“, sagt Eckhard Heymann, Leiter der Feldstation. Wasser kommt direkt von einem Bachlauf und ist so sauber, dass es direkt getrunken werden kann. Ob ein Koch beziehungsweise eine Köchin für eine Feldsaison eingestellt wird, hängt davon ab, wie stark die Station belegt ist.

In den Tag startet man in der Regel mit Haferflocken oder selbstgebackenem Brot, wie den traditionellen Roscas - ringförmige Brötchen, die Zwieback ähneln - mit Butter und Konfitüre. Die einheimischen Feldassistenten kochen sich gern Avena zum Frühstück - ein Heißgetränk aus Milch, Wasser, Haferflocken, Zimt und Zucker. Mittag- und Abendessen bestehen aus Sättigungsbeilagen wie Reis, Nudeln oder gekochten/gebratenen Kochbananen oder Yuca (Maniok) in Kombination mit Bohnen, Linsen oder Erbsen. Dazu gibt es, wenn noch vorhanden, Gemüse (beispielsweise Gurken, Tomaten, Rote Bete, Zwiebeln, Kohl) als Salat, gegart oder gebraten, und Soßen, zum Beispiel aus Ketchup und Pilzen. „Um das Essen geschmacklich interessanter zu machen, nutzen wir auch gern Dosenkäse. Er schmeckt widerlich, wenn man ihn direkt isst, aber ist Grundlage für eine tolle Käsesauce“, sagt Omer Nevo, ehemaliger Doktorand der Abteilung „Verhaltensökologie und Soziobiologie“. Im EBQB wird überwiegend vegetarisch gekocht, doch ab und zu kommen frischer Fisch, Geflügel oder Fleisch auf den Tisch. Salchichas (günstige Dosenwürstchen) werden dabei besonders gern verarbeitet. Neben Obst versorgt man sich zwischen den Mahlzeiten auch mal mit selbstgemachtem Popcorn, heißer Schokolade und Kräckern. An freien Tagen in Iquitos stürmen die Forschenden gern lokale Eisdielen oder gönnen sich eine Pizza.

Küche. Foto: Sofya Dolotovyskaya
Küche. Foto: Sofya Dolotovyskaya
Fischerboot. Foto: Sofya Dolotovskaya
Fischerboot. Foto: Sofya Dolotovskaya
Kochen mit Fisch. Foto: Sofya Dolotovskaya
Kochen mit Fisch. Foto: Sofya Dolotovskaya
Abendessen. Foto: Julia Diegmann
Abendessen. Foto: Julia Diegmann

Thailand

DPZ Forschungsstation PKWS der Abteilung Soziale Evolution der Primaten. Foto: Oliver Schuelke
DPZ Forschungsstation PKWS der Abteilung Soziale Evolution der Primaten. Foto: Oliver Schuelke

Die Forschungsstation Phu Khieo Wildlife Sanctuary (PKWS) liegt im nordöstlichen Thailand und ist Teil des Western Isaan Forest Complex, eines großen, bewaldeten Gebietes an der Grenze zu Laos. Die Forschenden untersuchen dort das Sozialverhalten von Assammakaken.

In Thailand wird das Team mittags und abends von Küchenpersonal verköstigt, welches auch die Lebensmittel besorgt. Um Zubereitung und Beschaffung des Frühstücks kümmert sich jeder selbst. Die Autofahrt zur nächsten Stadt mit größeren Supermärkten dauert rund zwei Stunden. Wasser kommt aus einem nahegelegenen See und wird über Rohre direkt ins Camp geleitet und dort zum Trinken gefiltert.

In Thailand arbeiten Forschende und sechs einheimische Feldassistenten und -assistentinnen in einem Schichtsystem, früh und nachmittags. Daher unterscheiden sich die individuellen Essenszeiten. Lediglich das Abendessen wird gemeinsam eingenommen. „In Thailand bekommt man in den Supermärkten nahezu alles, was man aus dem eigenen Heimatland kennt“ erklärt Niels Kil, Doktorand der Forschungsgruppe „Soziale Evolution der Primaten“. „So starten die meisten mit Cornflakes, Müsli oder süßem Toast und Obst in den Tag“. Zum Mittag bereiten die Köche meistens ein Curry oder Omelett mit Reis und verschiedenem Gemüse zu. Abends gibt es immer Reis, serviert mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Beilagen, welche täglich wechseln. Häufig auftretende, traditionelle Beilagen sind zum Beispiel: Som Tam (ein scharfer Salat aus grüner Papaya), Khai Luk Koei („Schwiegersohn-Eier“, frittierte, gekochte Eier mit Tamarindensauce), Tom Gha Kai (Hühnersuppe mit Kokosmilch und Galgant) oder Pad Thai (Reisbandnudeln mit Fischsauce, Tamarindenpaste, Eiern, Fisch/Fleisch/Tofu, Erdnüssen und Kräutern). Gelegentlich wird eine Art BBQ mit einem Mu kratha (ein spezieller Tischgrill mit Suppenrinne) veranstaltet, bei welchem verschiedene Zutaten (Fleisch, Fisch, Gemüse, Tofu, Nudeln) gegrillt oder in einer Brühe gekocht und mit verschiedenen Dips verspreist werden. „Desserts gibt es nicht so oft. Umso größer ist die Freude, wenn es mal Kao Niew Ma Mung, ein süßer Klebreis mit Mango, gibt - eine der beliebtesten Nachspeisen bei uns“ lacht Nils Kil. Als gängige Snacks in der Feldstation gelten neben Obst (Nashi-Birnen, Tamarinden, Lychees, Ananas, etc.) auch Kräcker und Kekse. An freien Tagen in der Stadt gönnt man sich gern ein ausgefallenes Dessert (Eiscremes, Crêpes, Brownies), Smoothies oder Pizza.

Küche. Foto: NOOM / Oliver Schülke
Küche. Foto: NOOM / Oliver Schülke
Nudelsuppe. Foto: Delphine De Moor
Nudelsuppe. Foto: Delphine De Moor
Eier. Foto: Katja Rudolph
Eier. Foto: Katja Rudolph
Mittagessen. Foto: Sonia Touitou
Mittagessen. Foto: Sonia Touitou
Abendessen. Foto: Delphine De Moor
Abendessen. Foto: Delphine De Moor
Thai-BBQ. Foto: Niels Kil
Thai-BBQ. Foto: Niels Kil