Gestern fand im Präsidentensaal der Universität Antananarivo eine feierliche Zeremonie statt, bei der die langjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Madagaskar und Deutschland gewürdigt wurde. Peter Kappeler, renommierter Forscher der Universität Göttingen und Leiter der Abteilung Verhaltensökolgie und Soziobiologie am Deutschen Primatenzentrum, wurde in Anerkennung seines drei Jahrzehnte währenden Engagements und seiner herausragenden Verdienste um die madagassische Hochschulbildung die Ehrendoktorwürde verliehen.
In seiner Rede hob der Präsident der Universität, Rivoarison Randrianasolo, die zentrale Rolle von Peter Kappeler bei der Stärkung der Beziehungen zwischen dem Deutschen Primatenzentrum und dem Studiengang Zoologie und Tierische Biodiversität der Fakultät für Naturwissenschaften hervor. Diese als vorbildlich geltende Partnerschaft hat die Station Kirindy zu einem echten Feldlabor gemacht, in dem madagassische Studierende konkrete wissenschaftliche Erfahrungen sammeln und Zugang zur internationalen Forschungsgemeinschaft erhalten können.
„Diese Auszeichnung würdigt den spürbaren Einfluss des Professors auf die madagassische Jugend, der Berufungen inspiriert und die Zukunft der Wissenschaft im Land prägt“
Seit über 30 Jahren reist Peter Kappeler zwei Mal pro Jahr nach Madagaskar, um an der Feldstation im Kirindy-Wald nach den Lemuren zu sehen. Die kleinen, nachtaktiven Primaten haben es ihm angetan, zusammen mit seinem Team erforscht er das Sozialleben und die kognitiven Fähigkeiten der Tiere. Kappeler hat mittlerweile neunzehn Bücher und 355 wissenschaftliche Artikel verfasst, davon mehr als 220 über madagassische Ökosysteme.
Wie viele Studierende schon an der Kirindy-Station ein Praktikum oder eine Masterarbeit absolviert haben, lässt sich nicht mehr zählen. "Es waren sicherlich mehr als 100 madagassische Studierende und noch mal mehr Studierende aus Göttingen und aus 17 anderen Nationen”, sagt Kappeler. Unter anderem mit Unterstützung des DAAD war es möglich, vier madagassische Studierende zur Promotion nach Göttingen zu holen, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung finanzierte einen madagassischen Postdoc in Göttingen.
Für den Betrieb der Station unabdingbar sind die lokalen Feldassistenten und der langjährige wissenschaftliche Koordinator Rodin Rasoloarison. Er war maßgeblich für die Expeditionen verantwortlich, die letztlich zur Entdeckung und Beschreibung von 11 Lemurenarten geführt haben. “Eine der Lemuren, Madame Berthe´s Mausmaki, der kleinste Primat der Welt, wurde zu Beginn unserer Arbeiten in Kirindy in den Jahren 1992/93 entdeckt. Er steht inzwischen kurz vor dem Aussterben”, so Kappeler.
Mit dieser Auszeichnung würdigt die Universität Antananarivo nicht nur eine außergewöhnliche Karriere, sondern auch eine unerschütterliche Treue. „Misaotra, merci”, sagten Studierende und Dozent*innen und betonten damit die einzigartige Verbindung zwischen wissenschaftlicher Strenge und Leidenschaft für Madagaskar. “Mit dieser Ehrendoktorwürde tritt Peter Kappeler in den kleinen Kreis ausländischer Forscher ein, die die Forschung auf der Insel nachhaltig geprägt haben”, so die Universität Antananarivo.
Johanna Henke-von der Malsburg