PrimeMeet Europe – Europäische Primatenzentren intensivieren Kooperationen
BPRC Große Herausforderungen brauchen starke Partnerschaften
Am 26. und 27. Mai 2026 kamen Vertreter*innen der europäischen Primatenzentren sowie außereuropäische Primatenforschende in Haarlem, Niederlande zum Wissensaustausch und Netzwerken zusammen. Das Fazit der Konferenz: Die Herausforderungen im Gesundheitsbereich, vor denen Europa steht, sind mittlerweile zu groß, als dass sie von einzelnen Institutionen oder Ländern alleine bewältigt werden können – konkrete zukünftige Kollaborationen wurden bereits während der Konferenz beschlossen.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Zusammenarbeit künftig vor allem durch einen intensiveren Wissensaustausch gestärkt werden soll. An vielen Standorten existieren bereits eine große fachliche Expertise und langjährige Erfahrung. Diese Ressourcen werden jedoch bislang noch nicht ausreichend auf europäischer Ebene vernetzt. Durch einen engeren Austausch sollen Synergien künftig besser genutzt und gemeinsame Herausforderungen effektiver angegangen werden.
Laut Merel Langelaar, Direktorin am gastgebenden Biomedical Primate Research Center (BPRC), wurde PrimeMeet genau dazu ins Leben gerufen – um intereuropäische Verbindungen zu stärken und neue gemeinsame Lösungen für aktuelle Probleme zu entwickeln.
Stefan Treue, Direktor am DPZ, hob in seinem Keynote-Talk hervor, dass Primatenzentren nicht bloß als reine Orte der Forschung zu verstehen sind. Vielmehr zeichnen sie sich durch ihre leistungsfähigen Infrastrukturen aus, die für die nationale und internationale Forschungsgemeinschaft zur Verfügung stehen. Darunter fallen neben Haltung und Zucht nicht-menschlicher Primaten für die Forschung auch extensive Bio- und Datenbanken, Kapazitäten für hochauflösende Bildgebung sowie Expertise und Innovationen zu den sogenannten „New Approach Methodologies“ (NAMs).
Die neuaufkommenden Methoden der NAMs, welche auf den Einsatz von Tieren in der Forschung verzichten können, umfassen ein weites Spektrum von Organoiden über Stammzell- oder Computermodelle bis zu sogenannten Organ-on-chip Technologien. Laut Keynote-Sprecherin Christine Mummery, Professorin für Entwicklungsbiologie an der Universitätsmedizin Leiden, Belgien ist die Zukunft der Forschung bestimmt durch kombinierte Ansätze in denen auch NAMs zunehmend an Bedeutung gewinnen.
So können NAMs die biomedizinische Forschung vorantreiben, Tierversuche vollständig ersetzen können sie aber noch nicht. Besonders für die Sicherheitsprüfung neuer Medikamente und Impfstoffe bleiben Versuche im Tiermodell essentiell, wie sowohl Roger Le Grand, Direktor für Infektionsmodellierung und innovative Therapien der französischen Forschungsorganisation CEA, und Lars Mecklenburg, Direktor für Sicherheitsbewertung bei Labcorp, in ihren Talks hervorheben.
Zentral bleibt das Thema Transparenz. Forschung muss heutzutage nicht nur Ergebnisse liefern, sondern auch nachvollziehbar aufzeigen wie und warum sie stattfindet. Neben der Eröffnungsrede von Jan Langermans, stellvertretender Direktor am BPRC, beschäftigte sich auch die Arbeitsgruppe Kommunikation am zweiten Tag der Konferenz intensiv mit dem Thema.
BPRC Arbeitsgruppen: Themenvielfalt an den Primatenzentren
Die Keynotes haben bereits gezeigt: die Arbeit an den europäischen Primatenzentren ist divers, von der Infektionsforschung und Pandemievorbereitung bis zur Immunologie, der Neurobiologie oder den Neurowissenschaften wird ein sehr breites Themenspektrum abgedeckt. Die Arbeitsgruppendiskussionen am zweiten Tag der Konferenz griffen diese Vielfalt auf und eröffneten den Raum für fokussierte Diskussionen innerhalb des breiten Themenspektrums.
Hierbei ging es in der AG Infektionskrankheiten und translationale Modelle primär um die Vorbereitung für zukünftige Virusausbrüche. Dabei entstand bereits während der Konferenz ein erstes konkretes Ergebnis: ein Kollaborationspapier zur Erfassung der europäischen Kapazitäten im Bereich der nichtmenschlichen Primaten für die Ebola-Forschung.
In der AG Neurowissenschaften kamen vor allem steigende Forschungskosten und die Herausforderung, spezialisierte Infrastruktur langfristig zu finanzieren zur Sprache. Als Lösung wurden stärkere Kooperationen und das gemeinsame Nutzen von vorhandener Infrastruktur in den Fokus gebracht. Ähnliche Themen kamen auch in der AG Infrastruktur auf, die sich ebenfalls auf eine verstärkte gemeinsame Nutzung vorhandener Bio- und Datenbanken einigte. Auch in der AG NAMs wurde vereinbart, historische Daten, Referenzmaterialen und bestehende Expertise besser und schneller untereinander zu teilen – zum einen, um bereits generiertes Wissen nicht zu verlieren und zum anderen, um Duplizierungen von Arbeit und Aufwand zu vermeiden.
Das Stärken intereuropäischer Kooperationen kam auch in der AG Kommunikation zur Sprache, denn Wissenschaftskommunikation findet oft national oder lokal statt, aber Debatten um die Forschung prägen den gesamten europäischen Raum über die Landesgrenzen hinweg. Ebenso im Fokus standen Patient*innenorganisationen, die effektiv und persönlich kommunizieren können, warum biomedizinische Forschung nötig ist.
DPZ Prof. Stefan Treue, Dr. Philipp Schwedhelm (jetzt Bundesinstitut für Risikobewertung), Dr. Björg Pauling, Dr. Olena Eikel, Dr. Lena Ebbers (vorne), Dr. Dana Pfefferle, Dr. Annette Schrod, Dr. Susanne Diederich, Dr. Ramona Vestweber, Dr. Valeska Stephan (jetzt DFG Senatskommission für tierexperimentelle Forschung), Prof. Alexander Gail.