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Kognitive Ethologie

Schlafen in guter Nachbarschaft: Strategien der Schlafplatznutzung bei Guinea-Pavianen

Guinea-Paviane wählen ihren Schlafplatz unabhängig von Fressfeinden und Parasiten

Eine aktuelle Studie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung liefert Erkenntnisse über die Schlafplatznutzung von Guinea-Pavianen (Papio papio) im westafrikanischen Senegal. Die Studie zeigt, dass diese Primaten ihre Schlafplätze offenbar unabhängig davon wählen, ob sich in der Umgebung Fressfeinde aufhalten oder ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Parasiten besteht. Anders als andere Pavianpopulationen scheinen die beobachteten Paviane kaum um geeignete Schlafplätze zu konkurrieren, sondern bevorzugen es, in enger Nähe zu vertrauten Nachbargruppen zu schlafen (Ecology and Evolution).

Guinea-Paviane leben in großen Gruppen, die sich in kleinere Untergruppen aufteilen, die überlappende Streifgebiete nutzen. Über einen Zeitraum von insgesamt vier Jahren untersuchten die Forschenden die Schlafplatznutzung der Guinea-Paviane im Niokolo-Koba Nationalpark im Senegal mithilfe von GPS-Halsbändern. Dadurch konnten sie nachvollziehen, welche Schlafplätze die Tiere nutzten, wie oft sie diese wechselten und ob äußere Einflüsse, etwa Fressfeinde wie Leoparden, oder die Nähe zu anderen Gruppen ihr Verhalten beeinflussten. Die Studie ist Teil der Langzeitforschung in Simenti, die seit 2007 Verhalten, Kognition und Ökologie von Guinea-Pavianen untersucht, um besser zu verstehen, welche Selektionsfaktoren die soziale Organisation von Primaten beeinflussen. Wie erwartet schliefen die Paviane überwiegend in den hohen Bäumen der Galeriewälder entlang des Gambia-Flusses, die durch ihre glatte Rinde, teils stachelige Stämme und enge Anbindung an Nachbarbäume potenziell Schutz vor Fressfeinden bieten. Viele Schlafbäume wurden über längere Zeit hinweg wiederholt genutzt. Obwohl angenommen wird, dass ein häufiger Wechsel der Schlafplätze das Risiko verringern kann, von Fressfeinden entdeckt oder durch angesammelte Exkremente verstärkt Parasiten ausgesetzt zu werden, wechselten die untersuchten Paviangruppen ihre Schlafplätze vermutlich situativ und nicht gezielt zur Risikovermeidung. Auch die Verfügbarkeit von Nahrung im Streifgebiet oder Konkurrenz zwischen Gruppen hatte kaum Einfluss auf die nächtliche Standortwahl.

Soziale Nähe als wichtiger Faktor

Die Analyse ergab, dass Paviangruppen auch dann in enger räumlicher Nähe zueinander übernachteten, wenn es ausreichend Ausweichmöglichkeiten gegeben hätte. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Schlafbäumen von jeweils zwei nächstgelegenen Nachbargruppen betrug weniger als 50 Meter. Zudem schliefen Gruppen meist neben den Gruppen, mit denen sie auch tagsüber bevorzugt umherzogen.

„Unsere Studie legt nahe, dass Risikovermeidung und Konkurrenz um geeignete Schlafplätze bei den Guinea-Pavianen in Simenti nicht im Vordergrund stehen. Stattdessen nutzen sie offenbar die große Zahl geeigneter Bäume und priorisieren dabei die Nähe zu den ihnen vertrauten Nachbargruppen.“

Dr. Lisa Ohrndorf, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am Deutschen Primatenzentrum

Zwar kann das Schlafen in größeren Gruppen zum Schutz vor Fressfeinden beitragen, jedoch deuten die Nutzungsmuster einzelner Gruppen weniger auf eine gezielte Strategie zur Risikovermeidung hin und sprechen eher für eine stärkere Gewichtung sozialer Präferenz bei der Wahl von Schlafplätzen.

Reaktionen auf nächtliche Störungen

Die Analyse legt nahe, dass Guinea-Paviane ihre Schlafplätze nicht auf Basis einer gezielten Risikovermeidung wählen, sondern eher situativ – wobei bestehende soziale Bindungen zu Nachbargruppen ein wesentlicher Einflussfaktor sind. Unklar ist bisher, wie sie auf nächtliche Störungen durch Gewitter, Fressfeinde oder andere äußere Einflüsse reagieren und ob solche Erlebnisse ihre Entscheidungen am Folgetag beeinflussen. Weitere Studien mit ergänzenden Methoden wie etwa dem Einsatz von autonomen Audiorecordern und Kamerafallen könnten hier neue Einblicke ermöglichen.

Originalveröffentlichung

Ohrndorf L, Mundry R, Beckmann J, Fischer J, Zinner D (2025): Spatiotemporal patterns of sleeping site use of Guinea baboon parties (Papio papio). Ecology and Evolution15 (7): e71610. https://doi.org/10.1002/ece3.71610

Dr. Lisa Ohrndorf Wissenschaftlerin Kognitive Ethologie


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Katharina Diederich Mitarbeiterin Kommunikation


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