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Kognitive Neurowissenschaften

Zwischen Angst und Appetit – Berberaffen im Test der Risikofreude

In einer Studie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung - wurde untersucht, wie sich die Risikobereitschaft von Berberaffen (Macaca sylvanus) im Laufe ihres Lebens verändert (Animal Behaviour).

Theoretischer Hintergrund: Risiko im Lebensverlauf

Wir stehen ständig vor Entscheidungen: Wir wollen ein Ziel erreichen und Belohnungen erhalten, aber unsere Entscheidungen können auch mit Risiken verbunden sein. Die Life History-Theorie besagt, dass jüngere Individuen risikofreudiger sein sollten, obwohl sie viel zu verlieren haben, können sie durch riskante Entscheidungen auch viel gewinnen. Ältere Individuen hingegen haben wenig zu gewinnen, wenn sie riskante Entscheidungen treffen, und sollten daher weniger risikofreudig sein. In ähnlicher Weise sagt die Theorie voraus, dass bei Säugetieren Männchen risikofreudiger sein sollten als Weibchen.

Das Experiment: Belohnung unter Risiko

Forschende des DPZ untersuchten, wie sich die Risikobereitschaft von Berberaffen mit zunehmendem Alter verändert. In einem Experiment konnten die Tiere zwischen einer hochwertigen Belohnung (Erdnuss) und einer weniger attraktiven (Popcorn) wählen, jeweils kombiniert mit einem „risikoreichen“ Reiz (Gummischlange) oder einem „risikoarmen“ Reiz (Würfel mit Schlangenhautmuster).

Beobachtungen zum Entscheidungsverhalten

Die Ergebnisse widersprachen den theoretischen Erwartungen: Weder Alter noch Geschlecht beeinflussten die Entscheidung, ob die Tiere die angebotene Belohnung annahmen. Nur etwa ein Drittel der Berberaffen griff zum Popcorn, wenn es zusammen mit der Gummischlange präsentiert wurde. Entgegen den Erwartungen nahmen ältere Tiere das Popcorn schneller als jüngere.

Die Forschenden schließen aus diesen Ergebnissen, dass die Risikobereitschaft je nach Kontext variiert. Für ältere Tiere scheint eine geringwertige Belohnung wie Popcorn einen höheren subjektiven Wert zu haben als für jüngere Affen, die häufiger Zugang zu hochwertigen Belohnungen haben.

Originalveröffentlichung

Bosshard TC, Mundry R, Fischer J (2025): Ecological risk-taking across age in Barbary macaques. Animal Behaviour 229.

https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2025.123337

Prof. Dr. Julia Fischer Leitung Kognitive Ethologie


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