
Versuchstierzahlen am DPZ
In allen Ländern der EU werden die Versuchstierzahlen jährlich nach einer einheitlichen Zählweise erfasst. In Deutschland gibt es dafür genaue Vorschriften. Jede wissenschaftliche Einrichtung meldet die entsprechenden Zahlen an die regional zuständige Behörde. Diese gibt die Zahlen weiter an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das die Zahlen an die EU meldet und die nationalen Zahlen eines Jahres gegen Ende des folgenden Jahres auf seiner Webseite veröffentlicht. Die Informationsinitiative Tierversuche verstehen analysiert diese Zahlen, versieht sie mit umfangreichen Hintergrundinformationen und publiziert jährlich den Kompass Tierversuche. Er kann hier kostenlos heruntergeladen werden.
Die für das DPZ zuständige Behörde ist das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Hierhin meldet das DPZ jedes Jahr zum 31. März die Art und die Anzahl der eingesetzten Versuchstiere des Vorjahres. Entsprechend der Vorschriften werden dafür die Tiere gezählt, die in dem entsprechenden Jahr aus einem Versuchsvorhaben ausgeschieden sind. Ein Versuchsvorhaben kann im selben Jahr beginnen und abgeschlossen sein, oder sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Auch in diesem Fall werden die Versuchstiere in dem Jahr gezählt, in dem sie aus dem Versuchsvorhaben ausscheiden. Für das Jahr 2024 hat das DPZ 148 Versuchstiere gemeldet. Davon waren 63 Primaten und 85 Tiere anderer Arten (siehe Abbildung unten).
Wenn am Ende der Untersuchungen eines Tieres im Rahmen der wissenschaftlichen Fragestellung eine histologische oder pathologische Untersuchung notwendig ist, werden die Tiere schmerzfrei eingeschläfert. Solche Euthanasien aus wissenschaftlichen Gründen sind Teil des Tierversuchsantrages und in diesem Rahmen behördlich genehmigt. Sollte keine Euthanasie aus wissenschaftlichen Gründen notwendig sein, wird das Tier nach einer tiermedizinischen Abschlussuntersuchung in die Tierhaltung übernommen. Es kann zu einem späteren Zeitpunkt an einem weiteren Versuchsvorhaben teilnehmen, wenn das LAVES dies genehmigt.
Die am DPZ gehaltenen und in Versuchen eingesetzten Primatenarten (Rhesusaffen, Weißbüschelaffen, Javaneraffen und Paviane) werden in Versuchen von großer wissenschaftlicher Bedeutung eingesetzt und nur dann, wenn der Versuch mit keiner geringer entwickelten Tierart durchführbar ist. Dazu zählen insbesondere Untersuchungen von Infektionskrankheiten, aber auch Versuche im Bereich der Hirnforschung, wie Greifexperimente oder Studien zu visueller Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, sowie Studien zur Stammzellen- und Embryonalentwicklung.
Die Nagetiere (Mäuse und Ratten) werden überwiegend mittels bildgebender Verfahren untersucht. Die dafür eingesetzte Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht nicht-invasiv, also zerstörungsfrei, Einblicke in die Struktur und Funktion des lebenden Organismus. Hierfür ist kein operativer Eingriff am Tier notwendig. Mit Hilfe der hochaufgelösten Bilder können das Gehirn und anderer Organe im Körperinneren, wie beispielsweise das schlagende Herz, und deren Erkrankungen im Tiermodell untersucht und die MRT-Diagnostik beim Menschen verbessert werden.
Schweine werden hauptsächlich für Forschungsprojekte zur Xenotransplantation verwendet. Hierbei werden Organe oder Gewebe von entwicklungsgeschichtlich weit voneinander entfernten Arten (zum Beispiel vom Schwein) auf Primaten (Rhesusaffen, Paviane, später Menschen) übertragen, um somit Alternativen zur menschlichen Gewebe- und Organtransplantation zu entwickeln. Die Organe von Schweinen sind denen des Menschen physiologisch und anatomisch sehr ähnlich. Sie werden deshalb für die Forschung zu neuen Gewebe- und Organersatzverfahren eingesetzt.