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Feldforschung an Guineapavianen

Guinea baboons
Eine Gruppe von Guineapavianen am Ufer des Gambia im Senegal (Foto: Urs Kalbitzer)

Paviane (Papio spp.) stellen ein wichtiges Modell zur Untersuchung der Primatenevolution dar, da sie in vielen Aspekten ihres Sozialverhaltens erhebliche Unterschiede aufzeigen. Während die meisten Paviantaxa ausgiebig studiert wurden, war bisher nur wenig über die Guineapaviane (P. papio) bekannt. Frühere Beobachtungen ließen vermuten, dass sie sich von anderen Pavianen z.B. dadurch unterscheiden, dass Männchen häufig affiliativ miteinander umgehen. Vergleichende Analysen ihres Sozial- und Kommunikationsverhaltens, ihrer Ökologie und der populationsgenetischen Struktur lassen daher erhoffen, neue Einsichten über Selektionsdrücke zu bekommen, die auf die soziale Evolution von Primaten wirken.

Feldstation

Im Jahr 2007 gründeten wir die Feldstation „Centre de Recherche de Primatologie (CRP) Simenti“ im Niokolo Koba Nationalpark im Senegal. Wir untersuchen dort eine große Population von Guineapavianen sowie Grüne Meerkatzen.

Verhaltensbeobachtungen
Verhaltensbeobachtungen (Foto: Peter Maciej)

Ausgewählte Projekte

Soziale Beziehungen zwischen Männchen und ihr Fortpflanzungserfolg

Männchen-Männchen-Beziehungen können erhebliche Fitnessvorteile mit sich bringen. Der adaptive Wert dieser Beziehungen wird häufig auf gegenseitige die Unterstützung zurückgeführt, was beim Aufstieg in der Rangordnung oder bei der Verteidigung von Weibchen hilft und letztlich zu einem größeren Fortpflanzungserfolg führen kann. Wir haben den Zusammenhang zwischen der Qualität der Männchen - Männchen Beziehungen, dem Auftreten von Koalitionen und dem Fortpflanzungserfolg der Männchen bei wildlebenden Guineapavianen untersucht. Diese Art lebt in einer toleranten, mehrschichtigen Gesellschaft deren basale reproduktive Einheiten aus jeweils einem Männchen und 1-6 Weibchen bestehen. Die Männchen sind philopatrisch, bilden differenzierte, stabile und gleichberechtigte Beziehungen (starke Bindungen) zu anderen Männchen aus und haben keine klare Ranghierarchie. Wir haben Verhaltens- und Vaterschaftsdaten von 30 Männchen und 50 Jungtieren analysiert, die über einen Zeitraum von vier Jahren im Niokolo-Koba-Nationalpark im Senegal gesammelt wurden. Männchen die enge Beziehungen haben unterstützten sich gegenseitig häufiger bei Konflikten gegen dritte, was aber ihren Fortpflanzungserfolg nicht erhöhte. Stattdessen zeigte sich, dass die Männchen mit einer größeren Anzahl von Weibchen assoziiert waren und mehr Nachkommen zeugten, die weniger Zeit mit anderen Männchen verbrachten. Männchen unterhalten Bindungen zu anderen Männchen, passen aber ihre sozialen Investitionen in diese Beziehungen entsprechend ihres jeweiligen Lebensstadiums an. Um heraus zu finden, ob Männchen-Männchen Beziehungen zu einer längeren Verweildauer der Männchen in den reproduktiven Einheiten und/oder zur generellen Förderung des Gruppenzusammenhalts führt, sind langfristige Daten nötig. 
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Verwandtschaft-Bias und männliche Bindungen

Bei gruppenlebenden Säugetieren reicht die Qualität sozialer Beziehungen zwischen Männchen von heftigem Wettbewerb über die Bildung opportunistischer Koalitionen bis zur Entwicklung dauerhafter Beziehungen. Wir untersuchten die Beziehungen zwischen Männchen bei Guinea-Pavianen (Papio papio), einer Art, die sich durch Toleranz und positiven Beziehungen unter Männchen auszeichnet. Guineapaviane leben in einer mehrschichtigen Gesellschaft mit Kerneinheiten aus einem reproduktiv aktiven "primären" Männchen, 1-6 Weibchen und deren Nachwuchs. Zusammen mit "Junggesellen"-Männchen bilden mehrere dieser reproduktiven Einheiten eine „Party“, und 2-3 Partys bilden eine „Gang“. Wir wollten klären, inwieweit die Qualität der Beziehungen unter den Männchen durch Verwandtschaft oder dem Status beeinflusst wird, d. h. ob die Männer einen Primär- oder Junggesellenstatus haben. Daten von 24 Männchen aus zwei Gruppen von Guineapavianen wurden in der Nähe von Simenti im Niokolo-Koba-Nationalpark in Senegal gesammelt. Die Männchen pflegten, unabhängig von ihrem Status, differenzierte und gleichberechtigte affiliative Beziehungen ("starke Bindungen") zu anderen Männchen. Diese Beziehungen waren über einen Zeitraum von vier Jahren stabil. Bemerkenswerterweise pflegten die meisten Junggesellenmännchen starke Bindungen zu mehreren Primär-Männchen, was darauf hindeutet, dass Junggesellenmännchen eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt der Gruppen spielen können. Eine eindeutige männliche Dominanzhierarchie konnte allerdings nicht erstellt werden, doch waren Junggesellenmännchen eher am unteren Ende der Dominanzhierarchie zu finden. Männchen mit starken Bindungen waren durchschnittliche näher miteinander verwandt als andere. Dies deutet darauf hin, dass Verwandtschaft die sozialen Präferenzen der Männchen beeinflusst. Um zu untersuchen, wie sich Bindungen unter Männchen auf die Verweildauer der Männchen in den reproduktiven Einheiten auswirkt, und letztlich auf den Fortpflanzungserfolg, müssen langfristig weitere Daten erhoben werden.
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Gruppenkoordination

Die kollektive Fortbewegung sozialer Gruppen erfordert die Koordination zwischen Individuen. Wenn der Zusammenhalt innerhalb er Gruppe zwingend erforderlich ist, muss ein Konsens erzielt werden. Bestimmte Individuen können bei der Entscheidungsfindung einen unverhältnismäßig großen Einfluss ausüben. Tiere, die in mehrschichtigen Gesellschaften leben, trennen sich jedoch während des Tagesmarsches oft in konsistente soziale Untereinheiten, was sich auf die Koordinationsprozesse der Gruppen auswirken kann. Wir untersuchten kollektive Bewegungen in der sozial toleranten mehrschichtigen Gesellschaft der Guineapaviane (Papio papio). Wir untersuchten 146 Starts von Gruppenbewegungen und 100 Fälle von Koordination währen die Gruppe unterwegs war von 131 Guineapavianen im Niokolo-Koba-Nationalpark im Senegal. Hierbei interessierte uns der Erfolg einzelner Paviane bei der Initiierung von Gruppenbewegungen und ihre Positionen innerhalb der Gruppe, wenn sie unterwegs waren. Zwei Drittel der der Starts wurden von erwachsenen Männchen und ein Drittel von erwachsenen Weibchen initiiert. Beide Geschlechter waren gleichermaßen erfolgreich bei der Initiierung (> 80 % der Fälle). Während der Gruppenbewegungen waren Junggesellenmännchen überwiegend an der Spitze der Gruppe zu finden, während reproduktiv aktive "primäre" Männchen und Weibchen mit ähnlicher Häufigkeit in allen Positionen innerhalb der Gruppe zu beobachten waren. Das Muster der kollektiven Fortbewegung bei Guineapavianen ähnelte eher den Mustern, das für Pavianarten beschrieben wurden, die in einstufigen Gesellschaften leben, und nicht, wie man erwarten könnte, dem von Mantelpavianen, welche auch in einer mehrschichtigen Gesellschaft leben. Bei Mantelpavianen werden aber fast alle Starts von Gruppenbewegungen von Männchen initiieren und entscheiden. Die soziale Organisation allein bestimmt also nicht, welche Kategorie von Individuen die Gruppenkoordination beeinflusst.
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Vergleichende Ökologie

Grundlegende Kenntnisse über die Ökologie einer Art oder Population sind eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis der Einflüsse der Ökologie auf die Evolution von Sozialsystemen. Aufgrund der Vielfalt ihrer sozialen Organisationen sind Paviane (Papio spp.) ein brauchbares Modell für vergleichende Studien. Für Guineapaviane (Papio papio) fehlten bisher jedoch entsprechende ökologische Informationen. Wir stellen hier Daten zur Ökologie von Guinea-Pavianen in einer vergleichenden Analyse auf zwei geografischen Skalen vor. Erstens vergleichen wir Klimavariablen und Bodenbedeckung in den jeweiligen Verbreitungsarealen aller sechs Pavianarten. Zweitens beschreiben wir die Größe des Streifgebiets, die Habitatnutzung, die Bewegungsmuster und die Ernährung einer lokalen Population von Guinea-Pavianen, die in der Nähe des Centre de Recherche de Primatologie (CRP) Simenti im Niokolo-Koba-Nationalpark, Senegal, lebt. Die Streifgebiete und die täglich zurückgelegten Distanzen variieren jahreszeitlich, folgen aber nicht einem einfachen Muster von Trocken- und Regenzeit. Die chemische Zusammensetzung der Nahrung liegt im Bereich, der auch von anderen Pavianarten bekannt ist. Insgesamt weist das Verbreitungsgebiet von Guineapavianen, im Vergleich zu anderen Pavianarten, die größte Variation in der jährlichen Niederschlagsmenge und die größten saisonalen Schwankungen bei Niederschläge auf. Obwohl die mehrschichtige soziale Organisation der Guinea-Paviane oberflächlich betrachtet derjenigen der Mantelpaviane (P. hamadryas) ähnelt, unterscheidet sich die Ökologie der beiden Arten deutlich. Die meisten Populationen von Guineapavianen, einschließlich der Simenti Population, leben in produktiveren Habitaten als Mantelpaviane. Dieser Unterschied in der Ökologie der beiden Arten widerspricht einem einfachen evolutionären Zusammenhang zwischen Ökologie und Sozialsystem und lässt vermuten, dass andere Faktoren als ökologische hier eine zusätzliche Rolle gespielt haben.
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Methoden

  • Verhaltensbeobachtungen
  • GPS-Halsbänder um Daten über Streifgebiete zu sammeln
  • Lautaufnahmen
  • Playback-Experimente
  • Messungen von Steroidhormonen
  • Verwandschaftsanalysen
  • Untersuchung funktionaler Polymorphismen
     

Kollaborationen

  • Direction des Parcs Nationaux, Senegal
  • Universität Cheick Anta Diop, Dakar, Senegal
  • Hormonlabor (DPZ)
  • Primatengenetik (DPZ)