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58. Internationaler Tag des Versuchstiers

Der Ursprungsgedanke dieses Tages erfährt zu Coronazeiten einen Wandel
Überblick über die einzelnen Entwicklungsschritte eines neuen Medikaments. Abbildung: Tierversuche verstehen

Heute ist der Internationale Tag des Versuchstiers. 1962 ins Leben gerufen von der britischen Tierrechtsaktivistin, Lady Dowding, soll er an das Schicksal von Versuchstieren auf der ganzen Welt erinnern. Sie hat diesen Aktionstag zu Ehren ihres Mannes auf seinen Geburtstag gelegt – den 24. April.

Jetzt, im Corona-Jahr, rücken Tierversuche im Zuge der Entwicklung neuer Therapien gegen das Virus wieder besonders ins Augenmerk. Tierversuche sind ein in der Öffentlichkeit besonders kontrovers diskutiertes Thema und die Wahrnehmung ist oft, dass Tierversuche nicht sinnvoll oder nötig sind. Eine kürzlich in Großbritannien durchgeführte Meinungsumfrage durch die Initiative „Understanding Animal Research“ (UAR) zum Einsatz von Tieren zur Erforschung und Entwicklung von Behandlungen und Impfstoffen für Covid-19 zeigt, dass dazu derzeit ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet.

Die Umfrage-Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass sich eine große Mehrheit, nämlich 73 Prozent der 1.027 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die wissenschaftliche Forschung an Mäusen, Hunden und Affen ausspricht, um Impfstoffe und Behandlungen zur Bekämpfung von SARS-CoV-2-Infektionen zu entwickeln. Elf Prozent gaben sogar an, ihre Ansichten zu Tierversuchen seit dem Ausbruch von Covid-19 geändert zu haben und zeigen jetzt eine höhere Akzeptanz für die Verwendung von Tieren in der Forschung.

Stefan Treue, Sprecher von „Tierversuche verstehen“, dem deutschen Pendant zur britischen UAR, und Direktor des Deutschen Primatenzentrums – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, sagt dazu: „Tierversuche in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung sind schon immer wichtig und unerlässlich gewesen, um die Sicherheit und vor allem die Wirksamkeit einer Substanz oder eines Impfstoffes für den Menschen abschätzen zu können. Gerade jetzt, wo weltweit händeringend nach einer Lösung gegen das neuartige Coronavirus gesucht wird, muss gewährleistet sein, dass fundierte Daten erhoben werden, um einen nachhaltigen Impfschutz sowie die Wirksamkeit eines Medikaments zu gewährleisten und vor allem alle Sicherheitsaspekte vor der Gabe einer neuen Substanz zu überprüfen. Es gibt zum Beispiel Erkrankungen, die durch eine Impfung noch verstärkt werden können und dazu diese Gefahr frühzeitig zu erkennen, liefern Tierversuche wichtige Hinweise. Verantwortungsbewusste Tierversuche sind unverzichtbar, um die Pandemie in den Griff bekommen! Vor allem Mäuse werden dazu eingesetzt, aber auch Studien an anderen Tierarten wie beispielsweise Affen sind dafür unumgänglich. Zwar kommen auch tierversuchsfreie Methoden in der Forschung zum Einsatz - aber weder mit einer Petrischale, noch einem Organ-on-a-chip oder einem Computermodell alleine werden wir komplexe Viruserkrankungen besiegen können.“