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Deutsches Primatenzentrum feiert Richtfest für MRT-Gebäude

Das Gebäude wird zwei Magnetresonanztomografen und eine neue Abteilung „Funktionelle Bildgebung“ beherbergen
Michael Lankeit und Stefan Treue beim Richtfest. Foto: Karin Tilch
Der Rohbau des MRT-Gebäudes. Foto: Karin Tilch
Der Rohbau des MRT-Gebäudes. Foto: Karin Tilch
So soll das MRT-Gebäude Ende 2014 aussehen. Grafik: Architekturbüro P.arc GmbH
So soll das MRT-Gebäude Ende 2014 aussehen. Grafik: Architekturbüro P.arc GmbH

Im April 2013 wurde mit dem Bau begonnen, nun ist das Dach dicht und der Rohbau fertig: Am 5. Februar 2014 um 13 Uhr feierte das Deutsche Primatenzentrum (DPZ) das Richtfest für ein MRT-Gebäude. Der Rohbau befindet sich auf dem Institutsgelände am Hans-Adolf-Krebs-Weg 7 in Göttingen. Nach der Begrüßung durch Institutsdirektor Stefan Treue und dem Richtspruch wurde der Richtkranz angebracht.

„Durch die Magnetresonanztomografie können wir unser Methodenspektrum optimal erweitern. Diese Technik erlaubt es uns, dem Gehirn bei der Arbeit zuzusehen, ohne in den Körper eingreifen zu müssen", sagt Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums und Leiter der Abteilung Kognitive Neurowissenschaften. Wissenschaftler aus anderen Forschungseinrichtungen seien explizit eingeladen, die neuen Geräte zu nutzen, wenn sie ab 2015 einsatzbereit sind. „In Kooperation mit der Universität Göttingen werden wir noch in diesem Jahr eine neue Abteilung einrichten, die sich der funktionellen Bildgebung widmen wird", so Treue.

Herzstück des neuen Gebäudes werden die zwei Magnetresonanztomografen im Erdgeschoss sein, die den Forschern einen Blick in den Körper ermöglichen sollen. Dabei handelt es sich um einen 3-Tesla-Scanner für größere, nicht-menschliche Primaten und menschliche Probanden sowie um einen 9,4-Tesla-Scanner für kleine Primaten und Nager. Eine Herausforderung ist dabei, dass die Magnete eine Feldstärke von mehr als dem 100.000 fachen des Erdmagnetfeldes erreichen werden. „Dabei mussten wir bei der Planung berücksichtigen, dass Material und bewegliche Teile die Bildgebung der Geräte nicht beeinträchtigen und dass von den Geräten weder Nutzer noch Besucher gefährdet werden. Dazu wird zur Abschirmung unter anderem ein Kupfernetz in den Wänden untergebracht", so Architekt Gerrit Grigoleit. Im ersten Stock werden sich die Büros der neuen Abteilung für "Funktionelle Bildgebung" befinden. Eine weitere Besonderheit: Die Tierhaltung wird ganz oben im 2. Stock untergebracht. Trotzdem müssen die Rhesusaffen nicht auf Freigang verzichten, denn alle Tiereinheiten haben einen ausgestalteten Innen- und Außenbereich.

  • Baubeginn: April 2013 
  • Fertigstellung: voraussichtlich Ende 2014 
  • Kosten für das Gebäude: 7,2 Millionen Euro 
  • Kosten für Geräte und Einrichtung: 4,6 Millionen Euro 
  • Gesamtfläche: 2.200 qm 
  • Stockwerke: EG mit zwei Magnetresonanztomografen und Laboren, 1. Stock mit Büros, 2. Stock mit Tierhaltung 
  • Architekten: P.arc GmbH, Berlin 


Kontakt und Hinweise für Redaktionen

Prof. Dr. Stefan Treue (Direktor des DPZ)
Tel: +49 551 3851-115
E-Mail: treue(at)gwdg.de

Dr. Susanne Diederich (Stabsstelle Kommunikation)
Tel: +49 551 3851-359
E-Mail: sdiederich(at)dpz.eu

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Magnetresonanztomografie (MRT)

Die Magnetresonanztomografie ist ein bildgebendes Verfahren, das im Gegensatz zu Röntgenstrahlung völlig ungefährlich für den Körper ist. Durch einen starken Magneten werden Magnetfelder erzeugt, die einzelne Wasserstoffatome im Körper anregen. Gleichzeitig gibt das MRT-Gerät ein Radiosignal ab, wodurch die Atome in Schwingungen versetzt werden. Schaltet man das Radiosignal ab, fallen die Atome in einen energieärmeren Zustand zurück. Die bei diesem Vorgang abgegebenen Signale werden von sehr empfindlichen Antennen gemessen und durch einen Computer in Bilder umgerechnet. Weiche, wasserhaltige Gewebe werden in der Regel hell dargestellt, Knochen und wasserarme Strukturen sind dunkel eingefärbt. Außerdem kann man eine schnelle Bildfolge aufzeichnen und so beispielsweise das schlagende Herz beobachten.


Hirnforschung mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT)

Wie funktioniert Denken? Wie werden unsere Gedanken abgespeichert und was ist passiert, wenn wir unser Gedächtnis verlieren? Diese Fragen faszinieren uns seit jeher und sind immer noch weitgehend ungelöst. Unbestritten ist jedoch, dass die Kommunikation von Millionen von Nervenzellen die Grundlage für unsere kognitiven Fähigkeiten ist. Will man die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn erforschen, so kann man dies mit Hilfe von Mikroelektroden tun, die die elektrischen Impulse der Neurone messen. In gröberer räumlicher und zeitlicher Auflösung kann man jedoch auch mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) "in den Kopf schauen". Wenn ein bestimmter Teil des Gehirns aktiv ist, weil wir beispielsweise an etwas denken oder einen Gegenstand betrachten, so benötigt er mehr Sauerstoff und Energie. Als Folge steigt der Blutfluss zu dieser Region. Dieses Prinzip nutzt die fMRT, indem sie den unterschiedlichen Sauerstoffgehalt der roten Blutkörperchen mit dem sogenannten BOLD (Blood Oxygen Level Dependent)-Effekt sichtbar macht. Ein stark erhöhter Sauerstoffgehalt steht also für sehr aktive Nervenzellen in der jeweiligen Hirnregion, ein weniger stark erhöhter Sauerstoffgehalt für geringer aktive Nervenzellen.


Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) - Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält außerdem drei Freilandstationen in den Tropen und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 89 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft. www.dpz.eu