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Von der Menschwerdung eines Affen

Kafka-Theaterstück "Bericht für eine Akademie" am DPZ aufgeführt
Götz Lautenbach, Darsteller des Affen Rotpeter im Stück „Ein Bericht für eine Akademie“. Foto: Karin Tilch
Der Affe im "Käfig". Foto: Karin Tilch
Der Affe im "Käfig". Foto: Karin Tilch
Gäste bei der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Götz Lautenbach (Schauspieler), Jörg Beckmann (stellvertretender Direktor des Zoos Nürnberg), Katharina Peters (administrative Leiterin am DPZ), Christian Vilmar (leitender Dramaturg des Jungen Theaters) und die Prof. Julia Fischer (Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ. Foto: Karin Tilch
Gäste bei der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Götz Lautenbach (Schauspieler), Jörg Beckmann (stellvertretender Direktor des Zoos Nürnberg), Katharina Peters (administrative Leiterin am DPZ), Christian Vilmar (leitender Dramaturg des Jungen Theaters) und Julia Fischer (Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ). Foto: Karin Tilch

Lautes Knurren, Stöhnen und Grunzen ist von draußen zu hören. Durch die geöffnete Hörsaaltür fliegen nacheinander Schuhe, Hose und Hemd. Dann erscheint … der Affe, oder doch nur der Affe im Menschen? Im Adamskostüm und vollem Körpereinsatz spielt Götz Lautenbach, Gast-Schauspieler am Jungen Theater Göttingen, die Rolle des Affen Rotpeter, der, eingefangen vom Tierpark Hagenbeck, in einer Holzkiste per Schiff nach Deutschland gebracht wird und schließlich in einem Varieté landet. In dem gut 100 Jahren alte Stück von Franz Kafka erzählt der Affe wie er, nach einem Ausweg aus seinem Gefangenendasein suchend, beschließt, zum Menschen zu werden. Er lernt und übt unermüdlich. Kann schließlich – ziemlich menschlich – Hände schütteln, Pfeifen stopfen und sogar den ihm verhassten Alkohol trinken. Aber ist er als Mensch glücklicher, indem er seine Affennatur verleugnet und ist er wirklich frei?

Das Stück, das zusammen mit dem Jungen Theater Göttingen im Rahmen der Ausstellung „Im Urwald“ erst- und einmalig am DPZ aufgeführt wurde, spielt gekonnt mit den Bildern und Vorstellungen der damaligen Zeit über unsere nächsten Verwandten. Affen galten als einfältig. Ihre Ähnlichkeit mit uns faszinierte zwar, doch waren sie immer auch das, was Menschen nicht sein wollten. Heute bewundern wir ihre Intelligenz und sie spielen eine große Rolle in der Verhaltens- und Kognitionsforschung.

Im Anschluss an das Theaterstück diskutierten der Schauspieler Götz Lautenbach, der leitende Dramaturg des Jungen Theaters, Christian Vilmar, der stellvertretende Direktor des Zoos Nürnberg, Jörg Beckmann, und die Primatenforscherin Julia Fischer über den Wandel der Tierbilder in unserer Gesellschaft. Auch das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. „Wie hat sich die Haltung von Tieren in Zoos verändert?“, „Haben Tiere unterschiedliche Persönlichkeiten?“, „Brauchen Menschenaffen Menschenrechte?“, waren nur einige Fragen, die gestellt wurden.

Die Expert*innen auf dem Podium ließen die Zuhörer*innen an ihrer Meinung und ihrem Erfahrungsschatz teilhaben und sorgten so für eine anregende und interessante Diskussion. Zum Abschluss der Veranstaltung lud der Förderkreis des DPZ e.V. die rund 100 Gäste zum Empfang im Foyer ein. Bei einem Glas Wein wurde weiter diskutiert oder die ein oder andere Runde durch die Ausstellung gedreht.